La Perla del Mare del Norte
Bevor wir über JOHANNA berichten, wollen wir erst auf ihren Nachnamen eingehen. "Esta es la Perla del Mare del Norte!" war der Kommentar von Jose Martinez (CT-Radiologe aus Madrid), als ich ihm unsere Heimatinsel mit Worten beschrieben hatte. Amrum hat, wie ihre westfriesische Schwesterinsel Schiermonnikoog (SCHIER) einen großen Kniepsand, viel Dünen und etwas Heide, sehr wenig Marsch, sowie wenig kultivierbares Bauernland aber dafür viel weissen Sand. Das Eiland ist auf der Westseite, ungleich Sylt, durch große hohe Bänke vor dem BLANKEN HANS geschützt.
Das einzigartig unberührte karge Land zwang früher viele seiner Bewohner auszuwandern oder zur See zu fahren. Bis 1867 dem dänischen König steuerpflichtig, mußten die Amrumer keine Soldaten stellen, da sie ihm als Seefahrer offenbar nützlicher waren. Die alten zurückgekehrten Kapitäne unterrichteten die Jungen in ihren privaten Stuben kostenlos in Navigation (Rechenkunde) und Sternenkunde und in sonst allerlei nützlichen Dingen, so daß diese Jungs in den Heuerbüros auf dem Festland sehr gefragt waren. Die reichsdänischen nordfriesischen Inseln stellten im 18. und 19 Jahrhundert hunderte Drei-u.Viermast-Vollschiffkapitäne, nachzulesen bei Georg Quedens -Inseln der Seefahrer. Diese kostenlosen privaten Navigationsschulen gehen zurück auf Pastor Richard Peters - Richardus Petris (1612-1678) -, St Laurentii, Föhr -detailiert beschrieben von Folkert Faltings. Nach1867 wurden sie von den siegreichen Preußen nicht mehr patentiert, da Bismarck die friesischen Jungs für seine Kriegsmarine haben wollte. Darauf setzte die erste große Auswanderungswelle ein. Ansonsten hatten die Friesen auch mit den dänischen Amtspersonen, insbesondere dem Amtmann aus Tondern, wenig im Sinn.
Aus Postkarten-Beständen meines Großvaters Jan Simon Jannen stammt dieses alte Abbild der Nordsee-Perle, die ich als kleiner Junge auf dem -huuga böön- (Dachboden) seines Norddorfer Kaufmannsladens fand. Aus alter ferner Zeit sind da noch 3 Brücken zu sehen, ebenso der damals schon lange versandete Kniephafen, sowie auch der alte südlichen Naturhafen der Wittdün-Steenodder Bucht, der oben festes Sandwatt hat.
Rechts die westliche Hochwasserkante auf dem Kniep: Voller Muschelschalen auf dem weissen, feinkörnigen Nordsee-Spülsand in Höhe des Quermarkenfeuer zwischen Nebel und Norddorf. Die Primärdünen sind hier mittlerweile bis zu 4 Meter hoch aufgeweht und mit Strandhafer bewachsen. Sie haben den Sturmfluten der letzten 30 Jahre stand gehalten, da die davor gelegenen schützenden Bänke lang und flach in die Nordsee auslaufen. 2 Meilen davor liegt Jungnahmen Sand (fries.,jang nahmen sun, Nahmen ist ein amrumer Clan) eine berüchtigte Beutegrube unserer Vorfahren; heute ist die Bank im Dezember/Januar Wiege der Kegelrobben.
Das Aquarell des Wittdüner Nordstrands zeigt die Ost(Wattenmeer)seite des Eilandes. Leonores Onkel H. Nachtigal hat es 1949 gemalt. Es zeigt die beiden heute noch existierenden Brücken des Tonnenhafens sowie AYC und dahinter die Steenodde-Brücke für die Versorger. Nach Norden zu der Hubsand, der als höchster Sand bereits 90 min nach HW trockenfällt, und so manchen Törn um mindestens eine Tide verlängert hat.
Die großen Zufahrtswege von der Nordsee nach Amrum, das Rütergat und das Schmaltief sind tideunabhängig befahrbar. Die Norderaue führt weiter zur Nachbarinsel Föhr. Das Dagebülltief zum Festland. Die Föhrer Ley nördlich um Föhr herum zum Hörnumtief. Von Hörnum kommend das Landtief oder obenrum durch das Madelhool -Mittelloch- um die ODDE ins Amrumtief.
Letzteres ist wie die Föhrer Ley ein Wattenweg, nur im oberen Tidendrittel bis 1,5m Tiefgang im Prickenweg zugänglich. Im Westen der Insel gibt es herrlich hohe und harte Bänke, wie den berüchtigten Jungnahmensand, die Theeknobs und die Hörnumknobs (knob, friesisch = große Sandbank, Hügel, Düne)
die Knut Pörksen mit seinem Kartoffelsack - vorsegel bzw seiner noch bei K+dV gebauten Bol anliegt. Nach Hörnum durchs Watt sollte man 1std vor Wittdün-HW ablegen, dann hat man jenseits der Odde (amrumer Nordspitze) noch auflaufendes Wasser, bzw mit-der-Tide, da das Hörnum-HW 1h später eintritt.
Unter der Odde (Nordspitze) fährt man direkt unter dem Strand um die Insel. Man kommt von hier aus bei normalem Wasserstand und 1m Tiefgang mit auflaufendwasser auch innen um die Korrmoraninsel rum in die Föhrer Ley.
Wenn man früher nach Hörnum los will, kann man den Außenrumzuweg durch das Landtief ins Vortrapptief an den Seehundsbänken von Jungnahmensand vorbei nehmen.
Ins dänische Watt fahre ich ab Wittdün 2 std vor Hörnumhafen HW durchs Mittelloch via Hörnum direkt unter dem Strand der Hörnumsüdspitze (das heist ganz konkret mit 20m Abstand vom Strand) durch das alte Hörnumtief vom Vortrapptief aus nach Norden. Bei westlichen Winden um 5bft sitzt man hier 1std mit 1-2 meilen Fahrt in der Kabbelsee, um dann mit 7-8 ktn in 3std Sylt zu passieren; Amrum-Fänö rechnen wir 12 std Fahrzeit.
Hörnum-Hafen laufen wir nur im Notfall an. Bei westlichen Winden gibt es hier für ein Plattbodenschiff viele geschützte Ankerplätze, bis hoch ins Rantumwatt.
Zu Zeiten meines Großvaters Jan Simon Jannen war Hörnum unbewohnt und amrumer Strand- Fischfang- u.Jagtrevier. Heute werden wir hier weggejagt, wenn wir nur Krähenbeeren pflücken wollen. Sylt ist eben spezial. Auf friesisch: Es ist nichts mehr dran. Einstmal lebte hier der gleiche Menschenschlag. Rantum hingegen ist ein kleiner verwunschener trockenfallender Watthafen, mit vielen freundlichen normalen Menschen.
Kurzum rings der Perle liegt ein Segelrevier, das keinen Wunsch offen läßt, wenn man ein reviergerechtes Fahrzeug hat. Der legendäre, leider vergriffene von Delius und Klasing nicht neuaufgelegte Neumann (Dr. Karlheinz Neumann, die Nordseeküste, Teil I- Elbe bis Sylt ISBN 3-7688-0121-7) , beschreibt mit viel Herzblut die einzigartigen Törnmöglichkeiten, die er mit seiner 12m Lemsteraak ALTE LIEBE, 88m2 Tuch einhand segelnd erkundet hat. Er fand übrigens, das die SPRAY von Joshua Slocum, der am 24. April 1895 von Boston (USA) einhand um den Globus segelte, ideal für Nordsee und Watt geeignet wäre. In weiser Voraussicht befürchtete Neumann bereits im Jahre 1980 die sich damals schon abzeichnende freiheitsberaubende Verbots-Beschilderung der Watten und Sandbänke, bzw des Nationalquark Wattenmeer, der uns von dem dubiösen Herrn Barschel beschert wurde. Er beginnt heute 150m jenseits der Wasserkante, so daß der Amrumer Amtmann die nicht bestellten Nationalpark-Hinweisschilder getrost wieder abmontieren, und mit dem Dampfer wieder zum Festland bringen lassen konnte. Die Herren in Kiel (Landeshauptstadt) und Tönning (Nationalpark Wattenmeeramt) haben eins nicht begriffen:
Manchmal läßt es sich nicht vermeiden trockenzufallen. Tauwerk (?) oder sonst was Manövrierbehinderndes an der Schraube (?), so daß "Gefahr für die Sicherheit und Leichtigkeit des durchgehenden Verkehr" entstehen kann, wenn der Schipper die Gefahr nicht durch Trockenfallen abwendet. Dabei ist noch keine Eiderente, kein Austernfischer und kein Seehund zu Malheur gekommen. Auf Amrum ist es i.Ü. kein Geheimnis, daß die Jungs vom Retter, Wasserschutz und Zoll auch gerne frisch geräucherten Fisch mögen und den bekommt man nun mal nur an gewissen Plätzen, die von revierfremden Gesetzesmachern rot angemalt sind.
Der "Hügel" am Horizont heißt Magganhugh, eins von vielen der über 1000 Jahre alten Wikingergräbern auf dem Eiland. Auf dem kargen Amrumer Boden wachsen zwischen den vertrockneten Gräsern die schönsten gelb, rot und blauen Blumen. Da die Bedingungen für alle diese Pflanzen gleich schlecht sind, bleiben sie unter sich und sind dem flüchtigen eiligen Betrachter hierdurch verborgen und deswegen auch beschützt; klein, zart und zierlich =
At as man jetj üüs ömrang lun frei übersetzt etwa: small is beautiful (die Friesen bezeichnen ihre Inseln als Land).
Aus diesem Grund gibt es auf Amrum auch so gut wie keine Bauern (z.zt 3 im Nebenerwerb), die alles umpflügen u. planieren; und keine Gülle!
Manchmal wacht man spät morgens bei schlechtem Wetter auf, guckt aus dem Schlafzimmerfenster und sieht, daß der Himmel runterzufallen droht. Man hört keine Enten. Nicht mal ein Halsbandseeregenpfeifer oder Austernfischer ist zu Gange, aber siehe da, über Nacht ist ein Plattbodenfreund afgemeert, bei Südwest unter die schützende Kante gekrochen. Wenn man dann noch ein bischen weiter abwartet bis das Wasser ganz abgelaufen ist, sieht man den Schipper trockenen Fusses über das feste Sandwatt an Land kommen. Er (wie hier Fahrkarten-Günter von der HH-Hochbahn, einer aus der kleinen NF-Plattbodenbande, der sich am liebsten alleine rumtreiben läßt) muß nur 200 m zu Fuß laufen, um sich frischen Proviant oder Brötchen aus den Wittdüner Läden zu besorgen und hat mindestens 6 std Zeit um trockenen Fusses zurück an Bord zu kommen.
Eine viertel Stunde später tut die Sommersonne, was sie soll: Regen vertreiben, Wärme und vor allem Licht geben, was nicht nur für die Badegäste sondern auch für das Gemüt der Nordfriesen von großer Bedeutung ist.
Man erkennt, daß es sich bei dem trockengefallenen Plattboden um eine kleine Schouw handelt. Diese Dinger (sind keine Dinger sondern) sind sehr geräumige stählerne Fahrzeuge. Sie sind preiswert in der Herstellung und segeln außerordentlich schnell, wenn keine allzu grosse Welle steht. Der Hubsand - der Sand hinter dem Priel - kommt schon 90 min nach Hochwasser frei. Er guckt dann fast 9 std aus dem Wasser und wird in der Sonne weiß. Am Horizont liegt Föhr. Die Backsteinmauer hat Peter gemauert, schön schief und krumm, wie es hierher passt. Was parteilose unabhängige Nordfriesen mit Backsteinen sonst noch für verrückte nichtsnutze Sachen alles machen:
siehe hierzu www.backsteine.jimdo.com
Auf der gegen- überliegenden nach Süden gerichteten (Wetter)seite gibt es ganz andere Bilder und Farben. Der hier bzw in Nordfriesand vorherrschende Südwest Wind formt die Landschaft. Auf dem Kniep wachsen Primärdünen. An der Hochwasserkante dann ansteigend die mit Strandhafer vor dem Verwehen geschützten Dünen. Damit die Badegäste nicht alles kaputt treten, und Wittdün nicht sand-verwüstet, hat die Gemeinde hölzerne Bohlenwege gebaut. Sie müssen alle paar Jahre erneuert werden, weil die Salzluft mit der Zeit alles Holz zerstört. Als Kinder mußten wir einmal im Jahr mit der ganzen Familie bzw.mit allen Dorfbewohnern in die Dünen zum Halmpflanzen, da gab immer schöne spontane Feste. Jede Familie bekam vom Strandvogt -Boy Hennerk- je nach Grundstücksgröße eine Düne zugewiesen. Heute zahlt man dafür eine Abgabe, die dann per Einzugsermächtigung abkassiert wird und die Bürgermeister kriegen ein Gehalt.
Auf der Ostseite des Eilun (der Insel) weiter nach Norden zu , zwischen Steenodde und Nebel, auf der Watt-seite der Insel sind die Lichtverhältnisse wieder ganz anders. Hier fehlt zum größten Teil der weiße Sand und damit das gleisende helle Licht der Westseite. Man muß hier nicht ständig die Augen zu kneifen und erkennt eine wesentlich größere Farbtiefe: Die Farben der Steine kontrastieren hier viel mehr, unter anderem auch wegen der Salzwasser- Reinigungs Kur durch die Springfluten.
Diese Ecke gehört übrigens ganz allein den Eiderenten und den Austernfischern, die hier manchmal zu Tausenden quacken, pallavern und sonst wie rum spektakeln und nichts mehr hassen als Badegäste. Der Fotograph dieses Bildes versicherte uns, er habe so lange mit der Aufnahme gewartet, bis kein Vogel und kein Tourie in der Nähe war.
Oben rechts am Horizont, am schönsten Platz auf gotteserdboden finden sie BORRAG, Haus Burg- die Norddorfer Teestube meines Jugendfreundes Jantje, man kann hier immer noch wie seit 50 Jahren schon bei seiner Großmutter die aller köstlichste WINDROSE mit Vanille-Eis bekommen
In grauer Vorzeit lag hier eine Ringburg der Wikinger, was sich im Flurnamen wiederspiegelt.
Aufgewachsen auf.... , geprägt und beeinflußt von ....... la Perla del Mare del Norte
Die ersten Amrumer fuhren entweder zur See oder waren bettelarm, hatten eine Kuh und 10 Hühner. Das karge Land konnte nur wenige Menschen ernähren. Vogelkoje und Fischfang waren die übrigen Ressourcen. Strandräuberei wurde bestraft. Bergelohn gestrandeter Frachtschiffe war außerordentlich einträglich.
Für uns Kinder war es ein besonders prickelndes Gefühl, Strandholz (über 1m lang war es abgabepflichig) am alten Strandvogt Boy Hennerk vorbei, in den Dünen zu verstecken. Strandraub (wir nannten es strunluupen - deut.strandlaufen) war zu keiner Zeit etwas Unehrenhaftes für die Amrumer, vor allem, als die Westerharde noch dänisch war (Jürgen Rath...doch stehlen können sie meisterlich). Ab 1869 verlangten die mittlerweile preußischen Beamten dann ein Drittel vom Bergelohn und wurden damit selbst zu Strandräubern am Gut der Schiffseigner bzw an der Reedereien, wenn es sich um eine Strandung handelte.
Ehrenwerter war das Rettungswesen der Amrumer, aufgeteilt in Nord und Süd. Hier die Nord-Station ODDE, hochgezogenes Ruderblatt ohne Pinne, geklinkertes offenes grosses Ruderboot, Back im Vorpiek, 2 Masten, keine Schraube bzw. Maschine.
Das Rettungsboot- Ruderboot der norddorfer Station (Odde) wurde mit Pferd und Wagen über eine hölzerne Rampe (Lafette) geslippt. Der Bootswagen hing an einer Winde. DGzRS (deut. SeeNotRettungsGesellschaft) seit 18.10.1867 zunächst am Nebler Strand eingerichtet (und 2x wegen der Versandung des Kniephafen verlegt, erst nach Batje Stieg (Hörn) und schließlich nach Norddorf. Die ersten vier Rettungsboote waren Ruder-Segelboote, später bekamen sie einen Hilfsmotor. Die Besatzung bestand aus Freiwilligen. In den Logbüchern u.a. von W.Rulow Peters finden sich allerdings auch Eintragungen mit dem Vermerk Heuer-Retter.
"Rumpelkammer eines Strandläufers"
Johannes Oswald Matzen s Werkstatt
um 1900 (Segelmacher und Takler) Wittdün;
gemalt von Leo s Onkel H. Nachtigal.
Ein Großteil der Hölzer sowie der Rettungsring
dürften vom Strand stammen
re unten eine Reuse,
auf der Holzbank allerlei Werkzeuge
das Bild riecht nach Leinöl, Holz und Salzwasser-Tang vom Kniep-Sand
Erst Ende des vorletzten Jahrhunderts entwickelte sich der Tourismus. Anfangs wurde vom Hörnumdampfer ausgebotet, später gab;s richtige Landungsbrücken in Norddorf und wesentlich geschützter am Nordstrand von Wittdün. Zuvor war der Wattweg Norddorf-Süderende die Hauptversorgungsader, mit Pferd und Wagen oder zu Fuß. Einmal die Woche fuhr ein Postschiffer Wyk-Wittdün, später dann 2-5x pro Woche eine Fähre.
Dampfer Kaiser an der Hörnumer Landungsbrücke
Tychos Hüss, ca 1910, in dem ich im Eiswinter 1947 geboren wurde und später bei meiner Oma gewohnt habe. Nebenan das Geburtshaus von Rulow Wilhelm Peters Austernfischer, Logbuch. Am Horizont Föhr. Als kleiner Junge bin ich mit meinem Vater über das zugefrorene Eis nach Föhr gelaufen. Er hatte einen Handkompaß dabei, den er vom Militär mitgebracht hatte, so daß wir auf dem Rückweg abends mit Kompas Hilfe im aufkommenden Nebel durch die aufgetürmten Eisschollenberge glücklich wieder auf s Land (üb ägg) kamen. .Ansonsten hatte er nichts Gutes aus dem Krieg mitgebracht, außer einem zerschossenem Arm (Stalingrad) und Granatsplitter in der li Lunge (Monte Cassino), einem hohen englischen Orden (wahrscheinlich hatte er einen ranghohen Engländer wieder zusammengeflickt?) so wie dem (Steuer-) Ruder eines Minensuchers (45/46 Minenräumkomando deutsche Bucht unter englischer Flagge), das er als Flottenarzt mit Hilfe seiner Sanitäter vor der Übergabe an die Engländer geklaut hatte. Es hängt heute in unserer Stube. Den Orden samt Urkunde hab ich erst in seinem Nachlass gefunden.
Ische Jan Simons,
meine Mutter als 16j Mädchen in Friesentracht 1929
Im 19.und zu Anfang des 20. Jahrhundert waren nicht wenige Amrumer durch Seefahrt und später durch die weisse Industrie zu vermögenden Leuten geworden und konnten ihre Frauen und Töchter mit kostbarem Silberschmuck ausstatten. Holländische Fliesen zierten die Stube -dörnsk- . (Nicht nur die Seemans-) Frauen regelten die häuslichen Verhältnisse und zeichneten sich durch großes Selbstbewustsein aus.
Meine Mutter fuhr- wie es heute wieder Mode ist, als 17 jähriges Mädchen für ein Jahr in die Staten nach NY-Brooklin zu ihrem großen Bruder Gerret Jannen, nicht als Au Pair sondern nur, um die Welt kennen zu lernen. Sie wunderte sich über die (Un)Sitte, morgens in der Schule die US-amerikanische Nationalhymne singen zu müssen.
Im Krieg übernahm sie den elterlichen Kaufmanns-Laden in Norddorf; bekam durch nazi-freundliche Denuzianten Ärger mit den Behörden, nur weil sie russischen Gefangenen draußen an der Nordspitze- Odde- Essen spendiert hatte.
Als einige der wenigen öffentlich bekannten Anti-Nazies wurde sie 1946 von den englichen Besatzungsbehörden neben Gustaf Dörsch, Mienje Hüttmann und Alfred Pütter in den ersten neuen Gemeinderat, per ordre mufti eingesetzt. Sie hielt mit ihrer Meinung selten hinter dem Berg, so daß sie heutzutage in einer demokratischen Wahl wohl keine Chance gehabt hätte.
1956 Zwerg-Volksschule Norddorf 1.- 4. und 5.-9-Klasse jeweils in einem Raum. Die Großen haben die Kleinen angeleitet und im Winter den Ofen versorgt. Hier lernte man Deutsch. Wenn es allerdings wichtig wurde, wechselte man wieder zurück ins Friesische. Hinten die Sturmglocke mit Reet- mütze, die früher u.a. im Seenotfall, die Manschaft des Retters alarmierte. Heute nur zu HULKINJ - Jahreswechsel in Betrieb.
Oben: heidi blank, monika dietje, erika paulsen, geoline schau, gunda willhun, gükke fisch, uwe decker, willem ruempler, heinzi schuldt. unten: renate peters, kerrin martinen,anke peters, inke martinen, marlies jannen, knuti görgens,????, wimme hölk, ,john willhun, jantje ruth, boynie wolf Lehrer Herrman Wöbbe und Achi Paulsen beide mit einem Holzbein
Viktor Quedens aufgetakelte Barkasse MÖWE im vereisten Norddorfer Watt.
Wir bekamen als Kinder einen Groschen als Lohn von dem alten Schipper, wenn wir im Herbst und Frühjahr ins Watt liefen und den Diesel durchkurbelten, damit der Kolben sich nicht festsetzte.
Jens ist hier der Vormann an Bord. Das Ruderboot gehörte Julus Schau; im Schilf von Onna Auar-Norddorfer Wattkante- versteckt. Der alte Jul Schau fuhr immer alleine raus ins Watt und verriet nie seine Aal-Angel-Stellen. Nach erfolgreichem Fang ankerte er mehrere Stunden an Plätzen, wo nichts zu holen war, nur um die Anderen zu täuschen. Als junger Mann war Julus lange im Westen der Staten als Cowboy zugange, konnte gut Pokern und Lasso-werfen, was uns Kindern sehr imponierte. Ordentliche Arbeit(so meine Oma) hatte er nie, war aber wie meine Mutter begnadeter talentierter Kartenspieler.
In der Nachkriegszeit war die Nordsee-Perle ein Paradies für uns Kinder. Da die Erwachsenen von morgens bis abends arbeiten mußten, sind wir in freier Wildbahn groß geworden (bei meiner Großmutter Ida Brigitta Amanda Jannen, geb Quedens konnte ich kommen u. gehen, wann ich wollte). Am Wochenende kamen Nachbarn aus Nah und Fern zum Vasitt und erzählten Geschichten auf friesisch mit amerikaans vermischt von der großen weiten Welt, die wir als kleine Jungs unter dem Stubentisch mit großen Ohren belauschten. So war unser Nachbar Tewe (Theo) Borg ein besonders spannender Geschichtenerzähler: Er war als 14jähriger Junge to sia. Nach der ersten Kap Hoorn-Rundung mit 4Mast Vollschiff 1914 vor Chile interniert; abgehauen, in die Anden geflohen, dort in 6000m Höhe als einziger Weißer in Schwefelmine gearbeitet; erst 1919 vom Kriegsende erfahren; und schließlich mit norweger 3Mast Bark über Australien und Cape Town zurück. Der ereignisreiche Törn hatte siebeneinhalb jahre gedauert). Durch diese Geschichten der Alten hatten wir als kleine Jungs nie das Gefühl, hinter dem Mond zu leben. Englisch und etwas Spanisch hatte keinen exotischen Klang. Mit Kassiopeia (dem HimmelsW) wurde ich schon als 6jähriger von unserem Nachbar Jan Knudten (Kapitein) bekannt gemacht, weil mein Name auch mit W anfängt. Beeindruckt und behalten hab ich auch die Hintergrund-Geschichte (Sage) der nubischen Königin, und ihren Krach mit Poseidon und mit den Meerjungfrauen, weswegen die hübsche Frau Kassiopeia bis zum heutigen Tage die halbe Nacht lang dort oben in der Milchstraße auf ihrem Königs-Thron überkopf sitzen muß.
In den 60ziger Jahren hatte das angetriebene Holz für den Strandvogt seinen Wert verloren, so daß wir uns im Sommer aus Strandholz Hukkahösges in den Primärdünen auf dem Kniep bauen konnten, hier in Höhe von Batjestieg bzw. vom Quermarkenfeuer (fries. letj ialtörn) Süsswasser und Proviant mußte ich ziemlich weit schleppen. Pütt un Pan mußte man mit Salzwasser sauber halten.
1964 Raubfahrt zur gestrandeten PELLA - Libertyschiff d.h. ursprünglich US-Truppentransporter, schließlich liberianischer Erz- Frachter. Der griechische Kapitän der PELLA- wähnte sich vor der Elbmündung, und drehte südlich Amrum nach Osten ein. Die PELLA, hatte im Mahlsand der Westerbrandung keine Chance; brach nach wenigen Tagen in 2 Teile. Sie war sofort nach Abbergung der Manschaft (Harry Tadsen hatte ahnungsvoll gegen den Willen der griechischen Reederei mit seinem Rettungskreuzer BREMEN dichtbei vor Anker abgewartet) sofort Ziel nicht nur amrumer Raubzüge. Obwohl das Wrack von Zoll und Wasserschutz rund um die Uhr bewacht wurde, fanden wir nur noch wertloses Zeug. Die büsumer Fischer hatten nächtens zuvor schon zugelangt. Als wir die verölte Bordwand auf-enterten, waren alle wertvollen Navigationsinstrumente schon weg, sauber abmontiert. Wir wurden natürlich auf dem Rückweg auch gefiltzt, hatten aber bei Annäherung des Zoll all unser Raubgut über Bord geworfen, bis auf ein Messer, das ich bis heute aufgehoben habe.
Alles verjährt.
Für die Föhringer waren dann nur noch wertlose Barhocker übrig.
Vom Schipper Knut erkennt man nur den Fuß. Pinne und Großschot fährt mein Bruder Jan Simon und linkerhand Holstenbier. Der damals 17 jährige ebenfalls biertrinkende Autor dieser Seite mußte in Lee vom Mast aus die öl-verschmierte Bordwand des zweigeteilten Haveristen entern. Das Foto stammt von meiner Agfa-Klack, die der Zoll glücklicherweise auch nicht gefunden hatte.
Unser damaliger Schipper stammt aus einer ehrenwerten heiligen nebler Familie, wurde später selber ein sehr angesehener Föhringer (Schulrektor). Wir segeln heute manchmal noch Wettfahrten im Watt aus. Obwohl Knut s neue RÖDE OM viel kleiner ist, kommt er häufig vor mir am Ziel an, da seine Bol 20 cm weniger Tiefgang hat, was im Watt den kurzen Weg bzw 20 min früher um die Odde (Nordspitze) fahren läßt. Re oben die auseinander gebrochene Pella.
HukkaHüss am Quermarkenfeuer an der Dünenkante.
Den Teer hab ich vom Strand eingesammelt (verklapptes Altöl), dann gekocht, um damit das Dach mit einer TeerSandDünenhalm- Mischung zu kalfatern (Horst auf dem Dach) bzw ab zu dichten.
Das Strandholz wurde uns regelmäßig im Winter von dem alten
Karl Schau- Schollen und Dorsch-
geklaut. Wir haben ihm dafür sein motorisiertes Dreirad (Gutbrod)
umgekippt und eine Kartoffel in den Auspuff gesteckt.
Im Süden der Insel liegt Wittdün. Nachts kann man hier die Kennung Blk. w. r. 10 s- sehen. Der Leuchtturm von Kampen liegt jenseits der Erdkrümmung (62m hoch), wurde noch vom dänischen König gebaut.
Das junge Wittdün ( heute erst 100 jahre alt) wird von den übrigen Alteingessesenen kaum wahrgenommen, obwohl die BLAUE MAUS, der Tonnenhafen und einiges Meer an Perlen hier zu Hause sind, von denen die meisten Amrumer wenig wissen, weil sie nicht richtig hingucken.
Es hat zu tun mit dem Blau des Himmels (auf Erden), mit blauen Augen, der BLAUEN MAUS und mit den strohgelben Farben nicht nur des Strandhafers und der übrigen zierlich zarten Blumen, die hier wuchsen und immer noch wachsen, und auch mit dem 100jahre alten Zwist zwischen den beiden Polen des Eilandes, Nord und Süd, der sich allerdings in der Blauen Maus, wo auch diese Perlen-geschichte vor einiger Zeit anfing, leicht und elegant beilegen ließ.. läßt....................
es gibt noch sehr viel mehr über die Perle zu erzählen; einiges mehr in Gaffelsegler in Nordfriesland