Gaffelsegler in Nordfriesland
Wenn man auf der Suche nach den lokalen Arbeitsfahrzeugen das wenige Material, die Tage-Logbücher und Steinmetzskizzen, zusammengetragen vor allen Dingen durch unseren großartigen Inselchronisten Georg Quedens, im Original liest, versteht man erst die ungeheuere Prägung unserer Vorfahren durch die Zee; die abgrundtiefe Angst der Amrumer Frauen vor der Zee, die ich auch bei meiner Mutter gespürt habe.
So schreibt Grönlandfahrer Fietje Larken aus Nebel (deutsch Friedrich Erichsen) nach verlustreich überstandenem schweren Strum im Eismeer "wenn die Gefahr überstanden, vergißt der Seemann.....sonst würde es bald keine Seeleute mehr geben"

Ca. 1900 (?) auf Langeness: Festgemachtes gaffelgetakeltes Plattbodenfrachtschiff mit Seitenschwertern im Ilef, der damals offenbar ein breiter Priel war. Auf der rechten Prielseite ein Austern-Fischer? Plezierfahrzeug? Auf diesem kargen Halligeiland eher unwahrscheinlich? Der weit nach vorn plazierte Mast spricht für eine Gaffeltaklung. Über diese lokalen Arbeitsschiffe gibt es nur sehr wenig Überliefertes auf den Inseln der Westerharde. Auf der Nordmarschwarft stand nur ein einziges Haus. Der Priel verlief offenbar in Ost-West Richtung, so daß das alte Wittdün auf der Südspitze von Amrum am Horizont zu sehen ist. Die Postkarte stammt aus den nicht verkauften Beständen des Kaufhaus J.S.Jannen, meines Norddorfer Großvaters Jan Simon Jannen (1871-1955).
100 Jahre später, Augustus 2006: JOHANNA v. AMRUM unter Langeness auf dem Weg zum Ilef (i-l-e-f, gesprochen), einem der vielen einsamen alten Naturhäfen Nordfrieslands, die heute im Gegensatz zu der Zeit Postkarte auch von Kielschiffen, als Ankerplatz für die Nacht angelaufen wird. Wehe wenn diese Yogourtbecher auf der trockenfallenden Zufahrt vom Piggenweg abkommen, und der Wind auf West dreht.

Der Warenverkehr vom Festland nach Amrum funktionierte bereits im 18. Jahrhundert u.a. mit 2 mastigen Plattboden, die auf hartem Sandwatt trockengefallen, wie hier zu sehen bei Niedrigwasser, mit Pferd und Wagen gelöscht wurden. Landungsbrücken hatten hier, aufgrund von heftigen Herbst und Winterstürmen, keine lange Lebensdauer. Die Wittdüner/Steenodde Bucht war schon immer ein optimaler, gegen Süd-West und Nordwestwind geschützter Naturhafen. Eine Stevenaak, Cromstevenklipper oder Hochsee-Ever ohne Seitenschwerter? Auf den Grabsteinen der amrumer Seefahrer auf dem Nebeler Friedhof, findet man jedoch jede Menge in Stein gemeißelte Plattboden mit Seitenschwertern, so daß anzunehmen ist, daß der Einfluß der niederländischen Schiffbauer damals sehr groß war. Martin Martinen erwähnt in seinem Tagebuch -ISBN 3-7979-1897-6 um 1900 als Mitsegler eine ostfriesische Tjalk im Wyker Hafen. Es gibt kaum Literatur über unsere historischen lokalen Gebrauchs-Segelfahrzeuge. Die zahlreichen alten amrumer und föhringer Kapitäne bevorzugten ganz offenbar 3 und 4 mastige Groß-segler, waren Walfänger und hatten großes Renomee bei P-Reederei F. Laeisz und bei der SLOMAN-Reederei als DIE VON DEN GEWÜRZINSELN. Wie dem auch immer sei, lange Zeit gab es keine amrumer Plattboden mit Seitenschwertern mehr.

Quelle amrumer historischer Segelfahrzeuge sind:
1.Kapitäns- Schipper-Grabsteine
2. Fliesenmalereien
3. Fotos, gemalte Bilder und Postkarten.
4. Tage-u .Logbücher
Leider ist nur ein kleiner Teil der Steine gepflegt erhalten, und zwar diejenigen, die der heute alles beherrschenden weißen Industrie diehnlich sind, d.h. touristisch vermarktet werden können- wie HARCK NICKELSEN geb 12. okt 1706, der im 12. Jahre seines Alters sein brodt bey der Schiffahrt suchte, 1724 von türkischen Seeräubern gefangen, an den Bey von Algier verkauft, nach 3 Jahren Gefangenschaft von Portugiesen freigekauft, suchte in Holland und Copenhagen sein Glück, fuhr schließlich als Capitän nach Westindien und Guinea- sein 3mastiger Rah-Segler D.BRANDENDE BERG ist detailreich (Steinmetz Arfst Hanckens) im Stein verewigt.

Das ist der Grabstein von Rauert Tückes aus Norddorf, dem Anführer der Amrumer Austernfischer, geboren 1802 in Nebel auf Amrum. Es ist der einzige Stein, der ein kleineres, einmastiges Schiff zeigt. Er steht weit abseits der berühmten Steine der wesentlich größeren 2 bis 4 mastigen Schiffe der Großschiffahrtskapitäne, Grönlandfahrer, Walfänger und Commodores. Mittlerweile verweest und unbeachtet von den Touristen, steht er am Rande der alten Seefahrersteine unter den Bäumen des SARKHOOFs-Steindeich. Als ich ihn 2005 sauber machen wollte, um das Rigg zu studieren, bin ich von Museumwächtern aus dem fernen Schleswig unter Androhung von Strafe vom Friedhof verjagt worden. Es ist der einzige Stein, der eine holländische Aak, bzw ein Fischereifahrzeug zeigt. Und zwar mit allen Details einer voll entwickelten Visserman-Aak, wie sie heute wieder gebaut wird: Seeschwert, zwei Reihen Reff im Groß, eine Reffreihe in der Normalfock, einen großen Kluiver zum Trimmen, doppelt geschorene Kranleine (Dirk) für das eiserne Fanggeschirr, etc. (siehe auch Präsentation Friesentörn- als downloads -unten). Von September bis April wurden die Austernbänke der nordfriesischen Watten von Amrumer Fischern abgeräumt, die als Lohnunternehmer von inselfremden Pachtgesellschaften angestellt waren. Ab 1907 schließlich wurden schließlich Fischdampfer eingesetzt, so daß nach wenigen Jahren alle Bänke leer waren. So blieb auch nichts von den Segelfahrzeugen übrig. Rauert Tückes war verheiratet mit Ehlken T. geb Matzen aus Süddorf, starb 1846 kinderlos; alles, was blieb, ist sein Stein, mit der meisterhaft, detailiert dargestellten Vissermanaak, hergestellt von einem der begabten Amrumer Steinmetze, Jan Peters aus Nebel. Die Schriften mit den zum Teil abenteuerlichen Geschichten auf den Steinen sind ausnahmslos in deutscher Sprache verfaßt, ungeachtet der Zugehörigkeit Amrums zum Königreich Dänemark, und ungeachtet unserer friesischen Umgangssprache. Umfangreich beschrieben findet man die Steine von GEORG QUEDENS in seinem Buch: Die alten Grabsteine auf dem Amrumer Friedhof. Leider aber so gut wie nichts über die Schiffsdaten insbesondere die Werften. Vermutlich stammte ein Großteil der Arbeitsschiffe von den nahe gelegenen dänischen Werften, bzw aus Nordby auf FÄNÖ, die kleinen Fischer aus der wyker Werft, die Schmackschiffe haben prägnante holländische Merkmale.

Aus den Quellen lassen sich drei verschiedene Fahrzeugtypen unterscheiden:
1. am meisten beachtet die 3-4 mastigen Hochseeschiffe, Barken Brigantinen....... auf die hier nicht weiter eingegangen wird.
2. Küstenfahrzeuge, Frachter
3. Fischer
Küstenfahrzeuge aus dem 16-17 jahrhundert
Smakken, Koffen en Tjalken
Fliesenbild Nebler Kapitänshaus.
Auf Amrum findet man (in den Tagebüchern) die Bezeichnung SMACK Schmackschiff. Die Holländer würden sagen
Smakzeil-Boeiers, verzamelnaam voor alle (zeegaande) Boeiers met spriettuig
Die profundeste Abhandlung über Typenbeschreibung findet man bei
Frits R.Loomeijer: Met Zeil & Treil
Nederlands Scheepvaartsmuseum te Amsterdam.
Es handelt sich bei dem nebeler Fliesendekor, ebenso wie bei 10 weiteren amrumer Grabsteinmeißel- Arbeiten um ein Wattenmeer-Frachtschiff holländischer Bauart: Plattboden, Seitenschwerter; bauchiger Vorsteven, hohes Spiegel-Heck, stark positiver Sprung: heute würde man sagen Kof-tjalk (Bezaanmastje voor de helmstok), nach dem hochgezogenem Spiegel auch Hek-tjalk (leichter zu bauen, behindert allerdings den Radius einer notwendigerweise großen Pinne, weswegen die späteren Tjalken ein rundes flacheres Heck bekamen). In den Urkunden werden die als Schmacken auch als Boyertt -vermutlich Boeier- bezeichnet. Eine erhaltene Urkunde von1641- Matthies Flor- für den Bootsbauer beschreibt folg. Anforderung für einen Neubau: Größe von 40-50 Lasten (150-200 tonnen tragfähigkeit) oder 90-120 passagiere, preis ca 5-6000 gulden (ca 150-200 000 €) s. August Clausen- holländische werften und schiffbauer, wo auch die tegels-Wandfliesen-Tableau s (makkum, harlingen, delft) entstanden.
Im Frühjahr und Herbst Passagierschiffer, dazwischen vermutlich Frachter. Nachdem er die Walfänger in Amsterdam angelandet hatte, wurde den Seeleuten offenbar ein Teil der Heuer bereits ausgezahlt, weswegen die amrumer Frauen die Rückkehr der Schmackschiffer (nordseetaxi, geld-, post u. nachrichtenübermittler) sehnlichst erwarteten.

Spriet- zeil
Sprietbaum
Wenn man vom Rigg und nicht von der Rumpfform ausgeht, findet man in der Literatur bei Nicolaes Witsen, 1690 - das im 17jahrhundert Tjalken und verwandte Schiffe ein Smakzeil führten.
Was Witsen als Smakzeil beschreibt, nannte man in der Zeit aber auch Sprietzeil -d.h.ein Großsegel, das mit einem (Spriet-) Baum vom Großhals zur Gaffelnock verlaufend gefahren wurde
(s. li der diagonale Baum),
was zu der im 17.jh gängigen Bezeichnung Smack, Smak oder Schmack geführt haben dürfte. Dieses Sprietsegel ist auf vielen Grabsteinbildern, jedoch nicht auf der Fliese zu sehen. Es war im übrigen auch die ursprüngliche Hoogaars-Takelung. Sie ist mit der Zeit völlig von der Gaffeltacklung verdrängt, da vorteilhafter Segeltrimm, tieferer Segelflächenschwerpunkt, bessere Kennterstabilität und vor allem kommt man damit viel höher an den Wind.
Schmackschiffe werden auch in den Flachgewässern der Ostzee beschrieben (1559 in Braunsberg, Ostpreußen)
so daß auch dieses Indiz dafür ist, das man nicht von einer baugleichen Typenbeschreibung, sondern eher für eine Nutz-bezeichnung (Flachwassertransport-fahrzeug) ausgehen dürfte. Bekanntlich entwickelten die alten Bootsbauer ihre Schiffe nicht nach Skizze, Typen- Plan oder Riss sondern aus ihrem Kopf, nach Erfahrung und Überlieferung.

Spriethoogaars mit einem mächtigen Spriet-Baum
bei wenig wind
unter Vollzeug
beide Schwerter gesteckt, offenbar um den Hafen aus zu fahren
mit kurzen Kreuzschlägen,
die Stb-Geerde ist dicht gesetzt, um max. Höhe zu kriegen

Das Besondere an diesem außerordentlich gut erhaltenen Stein mit exakt gezeichnetem Riss
auf der Rückseite des GrabSteins von Andreas Fink ist eine Angabe zur Fracht (Personen und Waren), so wie zur Route,
sowie Andeutung über Strandung und schlecht Wettertörns:
Vor Schiffer hab ich gefahren
viel Jahr und lange Zeit
mit Volck auch Kaufmanns-Waren
auf der Elb Weser und Anderwelt
dabey auch ausgestanden
viel Sorge Tag und Nacht
in See und auch auf Stranden
zur Ruh mich hat Gott gebracht
Andres Fink
Ao. 1740
Auf der Vorderseite findet sich eine Familiengeschichte,
2x verheiratet, fünf Söhne vier Töchter
Familie und Frauenswelt war dem Auftraggeber des Steinmetzes offenbar
wichtiger als das Schiff . Die erstaunlich detailgetreue Schiffszeichnung spricht für eine gute Beratung durch einen Schipper oder eine ordentliche Skizze.

Sprietzeil ist ein nahezu rechteckiges Groß-segel, das an seiner Nock durch einen Spriet-Baum, wie ein hochgeklappter Giekbaum ausgestellt wird (im 18jahrhundert Smakzeil genannt). Die Sprietbaumnock wird durch Geerden (Nock-Schot) zum Ruderstand bzw an die Bordwand geführt, wegen der großen Kräfte mit einer 2 oder 4-Scheibentalje versehen.
Ein weiteres ebenfalls auf dem Stein besonders detailreich dargestelltes Merkmal dieser Kof-tjalken - im 16.17.18 jahrhundert synonym smak- ist der kleine zierliche extrem weit achterlich plazierte Besan, der deswegen einen Papageienstock nötig hat, um seine Schot zu führen. Im Original heist der kleine Mast DRUIL-Mastje. Sein kleiner Bezan verschiebt den Segelschwerpunkt weit nach achter und erleichtert so die Wende durch den Wind.
Vermutlich ließ sich das Fahrzeug bei Starkwind, wie ein 2-Mastewer, auch allein mit Besan und Kluiver gut getrimmt segeln. Hoher Freibord oder großes Boeisel ermöglicht große Frachtraten und Zeefestigkeit. Das nicht sehr tief stechende Seitenschwert ist ein Kompromis zwischen Zee-und Ewerschwert- Wattenrevier angepaßt. Es hat kräftige eiserne Beschläge. Das große Ruder ist plattbodentypisch mit langer Hacke abgebildet. Buganker Vorlucke und Wasserstag des mächtigen Kluiver sind gut zu erkennen. Das Boeisel oberhalb der Berghout besteht zumindest aus zwei Gängen. Der Rumpf hat die typischen Rundungen einer Tjalk. Heck wie bei einer Kof, allerdings Pinne vor dem Bezanmast.

Hinrich Quedens 1733-1799
Wie alle gemeißelten Smakken, Kof-tjalken mit einem, manchmal auch 2 Groß-topp-Ra-Segeln (bei achterlichem Wind vorteilhaft) und mehreren Kluiversegeln, kein Smak- sondern Gaffel-großsegel.
Auf einem der Steine findet sich ausnahmsweise mal ein Schiffsname. Angaben über Auftraggeber, Jahreszahl, Werft, Tonnage, Tiefgang, LÜA, Breite Rigg und Segelfläche fehlen dagegen vollständig. Keine Beschreibung von Segeleigenschaften
Allerdings ist auf diesem Stein vermerkt, daß der Schipper 1799 zwischen Föhr und Amrum verunglückt ist

3Amrum/3Sylter, Austernfischerflottille im Päckchen, vor (offenbar 2) Anker(n). Ganz offensichtlich handelt es sich um flachwasser angepasste Arbeitsschiffe. Lange gestreckte Gaffel bedeutet viel Tuch im Groß und Möglichkeit Toppsegel für Leichtwind. Der Mast steht offenbar im Übergang vorderes/mittleres Drittel, was ordentlich Segelfläche in der Fock möglich macht; ein langer kluiverbaum bedeutet eine erhebliche Trimmvariation. Dazu große Kennterstabilität durch eine große Schiffsbreite, bzw. einen flachen Boden bzw. geringen Tiefgang ermöglichte? Die rechtseitigen 3 Fischer haben eine unterschiedlich kräftige Saling, zierliche Masten mit Backstaken. Allerdings kein Seitenschwert.

HOTSPUR Austernfischer ca.1860 gebaut auf der Wyker Werft , Vorfischer bzw.
Schipper Rulof Wilhelm Peters 1834-1911
Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Kielschiff. Beiboote sind (deswegen ?) auf allen Bildern mitgeführt. Klau- und Piekfall laufen über 3 Taljen, so daß einer allein das große Gaffelsegel setzen konnte, das mit Mastringen bzw hölzernen Rackbanden angeschlagen war.

Der junge Rulof Peters war als Goldgräber in Australien offenbar so erfolgreich, daß er ein Fischerfahrzeug und 1668 sich dann auf der Wyker Werft einen ca 12m gaffelgetacklten Austernfischer bauen lassen konnte. Hotspur hieß der Segler, wie der Großsegler, der ihn glücklich von Australien heim gebracht hatte. 1863 wurde er zum Vorfischer ernannt, und in Nieblum/Föhr mit einer Urkunde offiziell vereidigt.
Sein Logbuch (Tagebuch) ist eins der wenigen schriftlichen sehr detailierten Quellen über das Fangrevier, Strandungen dörfliche- und politische Ereignisse auch über den österreich/preussisch - dänischen Krieg, und über die distanziert unabhängig neutrale eher dänenfreundliche Haltung vieler Amrumer. Die deutschen Soldaten beschreibt Rulof als Besatzung. Sein Bruder war Koijenmann und Fischer. Cornelius führte ebenfalls ein ausführliches logbuchartiges Tagebuch.

Austernfischer unter Vollzeug mit Gaffeltopp.
Die Besegelung spricht für sehr gute Segeleigenschaften und paßt sowohl zu den exorbitanten Frachtraten bzw Muschelladungen und auch der Größe des Fang-Revieres von Fanö über Eidum bis in die Hever (Südfall), die sich im Logbuch von Rulof W. Peters finden
(auf friesisch rulou ausgesprochen, mit rollendem rrrrrrrrrr wie bei cecilia bartolie).
Rulof W. Peters wurde daneben aktenkundig erwähnt anläßlich eines gerichtsnotorischen Streits um dem Bergelohn der norwegischen Bark ROMA, die im Februar 1894 leckgeschlagen, von der Manschaft verlassen (hoher Bergelohn) treibend, mit schlagenden zerfetzten Segeln südwestlich vor Amrum vom Leuchtturmwärter aus gesichtet wurde. Als erster vom steenooder Tonnenleger ANNA unter Gerret Conrad Ricklefs auf hoher See geborgen, erreichte auch Rulof mit seiner HOTSPUR den Havaristen und half mit 5 Mann lenz zu pumpen und beim Notriggen der ROMA. Sie beschlossen den Havaristen nicht zur Wittdüner Reede sondern nach Hamburg zu segeln, um sich vom wenig beliebten aber sehr erfolgreichen wittdüner Strandvogt und Berger Volkert Martin Quedens fern zu halten, der sich dann aber trotzdem mit großer Dreistigkeit (mit dem wittdüner Rettungsboot!) gegen den Widerstand der Berger mit Gewalt Zugang zum Havaristen verschafte und, nach den Gerichtsakten zu urteilen, den Steuermann auf den Hinterkopf schlug, um Kursänderung nach Wittdün zu erzwingen (was von jedem ordentlichen Seeamt der Welt als Piraterei zu harter Bestrafung hätte führen müssen). Das Hamburger Seeamt schanzte jedoch unverständlicher weise V.M.Quedens ein Zehntel des Bergelohn zu, was zu Protesten selbst innerhalb der preußischen Ämter führte.
Die Austernfischerei ernährte von Oktober bis Mai, d.h. über winter, wenn die Handelsfahrer auf dem Land waren jahrzehntelang einige Familien. Erst wer einmal im Herbst-Winter-Frühjahr in dem Revier unterwegs war, weiss was das für Segelbedingungen waren!

Altarbild in der kleinen Wittdüner Kirche. Bislang erstaunlicherweise noch nicht touristisch vermarktet. Kein Badegast erfährt die unglaubliche Geschichte des in der Rütergat-Brandung gestrandeten harburger Dampfer ALBIS. 1922. Der Wittdüner Retter HERRMANN FREESE erreichte den Haveristen als Erster. 9 Mann der 18köpfigen Besatzung konnten abgeborgen werden, dann mußte der Retter wegen schwerer See beidrehen. Vormann Carl Quedens, der die ALBIS geentert hatte, mußte an Bord des sinkenden Havaristen bleiben. Erst am folgenden Tag konnte er , wie die übrige Besatzung, vom Norddorfer Retter PICKER, nach todesmutiger Fahrt im Orkan von der eben noch nicht überspültem Brücke der ALBIS über Stag und Want der PICKER abgeborgen werden. Allein der norddorfer Vormann Gerret Peters erhielt die Rettungsmedallie der DGzRS. Carl Quedens wurde nicht bedacht (Bergungsabsichten?).
Der Retter PICKER re hatte ein Gaffelgroß (keine Nationale am Stock!), bei Schlechtwetter wurde gerudert.


Foto aus den Beständen meines Großvaters J.S.Jannen. Am Stand der Sonne erkennt man einen Blick nach Westen. Die Gaffelgetakelten Fahrzeuge segeln eindeutig vor dem westlichen Kniepsand, vermutlich in Höhe des Norddorfer Strandes (Kniephafen). Draußen erkennt man eine Bank, so daß Sylt nicht in Frage kommt, dazu ist die Welle auch zu lang. Möglicherweise Muschelfischer. Von historischen Plezierfahrzeugen dieser Größe hab ich auf Amrum nie gehört.
Wyker Werft mit Slipanlage und mit einer kleinen Jolle im Vordergrund
Die eigentliche Werft befand sich am Sandwall, etwa am heutigen Kurhaus-hotel