Warum ist Johanna so dick?
Und wozu braucht nan eine Gaffel ? (aus dem selben Grunde)
Das untiefe Wasser im Wattenmeer erlaubt nur einen geringenTiefgang. Deswegen kann man den Winddruck nicht einfach mit einem tiefen Ballastkiel ausgleichen. Zunehmender Winddruck legt ein segeltragendes Schiff auf die Backe (Seite) bzw. flach, bis zum Kentern. Kenterstabiltät kann in flachen Gewässern nur durch Formstabilität erzielt werden, d.h. breite Rumpfform tut not. Zunahme der Schiffs-Breite erhöht die Stabilität nicht nur linear sondern exponentiel. Dadurch kann das Schiff länger (bei zunehmendem Wind) aufrechter segeln bzw. mehr Segelfläche tragen. Ein aufrecht segelndes Schiff hat den geringsten Widerstand und kommt so schneller voran.
Bezogen auf den Wasserpass beträgt das Verhältnis max.Länge/max.Breite: 8.50m zu 3.60m, je breiter desto mehr Formstabilität: Deswegen ist JOHANNA so dick. Schlanke und damit ranke Bootsformen sind nur mit Kompensation durch einen tiefgehenden Ballastkiel lange aufrecht zu segeln und gehören auf die offene tiefe See, aber nicht ins Wattenmeer, zumindest nicht außerhalb des Tonnenstrichs! Sie haben im Gegensatz zu Plattbodenschiffen eine hohe Endstabilität, richten sich immer wieder auf.
Bei dem hier ( Tee-Regatta, Accumer Ee, Joke am Ruder) häufigen Starkwind ist ein relativ kurzer Mast und damit tiefer Segelmittelpunkt von Vorteil, um nicht schon bei relativ geringen Windstärken reffen zu müssen.
Große (12,5 tons) Wasserverdrängung braucht aber auch viel Segelfläche, was mit einer langen gekrümmten Gaffel erreicht wird (ein weiteres Hoogaarsmerkmal). Der Mast steht, bezogen auf die Wasserlinie, im vorderen Drittel, so dass das Gross-segel mit 40 m2 wirklich groß ist und gegenüber der Fock von 20 m2 dominiert, wie bei den meisten Plattboden. Deswegen ist der Trimm an allen 4 Ecken des Grossegels entscheidend für die Segeleigenschaften.
Die Instrumente hier für sind Klau- und Piekfall, Halsstrecker (ebenso wie die Dirk aus der Plicht zu bedienen) sowie Schothornstrecker an der Giek, um bei Starkwind flach zu trimmen.
Trockengefallen erkennt man die Linienführung am eindruckvollsten, insbesondere den breiten Rumpf und den Abstrom über das runde Heck, mit dem charakteristischem hoog arsch, der die brechende Welle der durchlaufenden hohen Zee abhält und damit auch namensgebend für diesen ehemaligen Krabbenfischer aus der Scheldemündung war. Die scharfe Kimm hat eine gute Kursstabilität zu Folge, ähnlich wie bei einem Langkieler, außerdem muß dabei das Schwert auch nicht so tief stechen wie bei einem Rundboden.
Abgesehen von den Schotwinden wird alles andere an laufendem Gut über Blöcke und Talien gefahren, was viel Tauwerk bedeutet, wie auf der RICKMOR im Vordergrund, möglichst ordentlich aufgeschossen.