Hoogaars
JOHANNA v. AMRUM

Gaffelsegler in Nordfriesland

und über die Lösung des Rätsels: Was ist ein Schmackschiff?

Wenn man auf der Suche nach den lokalen Arbeitsfahrzeugen das wenige Material, die Tage-Logbücher und Steinmetzskizzen u. Wand-Fliesentables, zusammengetragen vor allen Dingen durch unseren großartigen Inselchronisten Georg Quedens, im Original liest, versteht man erst die ungeheuere Prägung unserer Vorfahren durch die See; aber auch die abgrundtiefe Angst der Amrumer Frauen vor der Zee, die ich auch bei meiner Mutter gespürt habe.

So schreibt Grönlandfahrer Fietje Larken 1840 aus Nebel (deutsch Friedrich Erichsen) nach verlustreich überstandenem schweren Sturm im Eismeer "wenn die Gefahr überstanden, vergißt der Seemann.....sonst würde es bald keine Seeleute mehr geben"

Ca. 1900 (?) auf Langeness: Festgemachtes gaffelgetakeltes Plattbodenfrachtschiff mit Seitenschwertern im Ilef, der damals offenbar ein breiter Priel war. Auf der rechten Prielseite ein Austern-Fischer? Plezierfahrzeug? Auf diesem kargen Halligeiland eher unwahrscheinlich? Der weit nach vorn plazierte Mast spricht für eine Gaffeltaklung. Über diese lokalen Arbeitsschiffe gibt es nur sehr wenig Überliefertes auf den Inseln der Westerharde. Auf der Nordmarschwarft stand nur ein einziges Haus. Der Priel verlief offenbar in Ost-West Richtung, so daß das alte Wittdün auf der Südspitze von Amrum am Horizont zu sehen ist. Die Postkarte stammt aus den nicht verkauften Beständen des Kaufhaus J.S.Jannen, meines Norddorfer Großvaters Jan Simon Jannen (1871-1955).

Der Warenverkehr vom Festland nach Amrum funktionierte bereits im 18. Jahrhundert u.a. mit 2 mastigen Plattboden, die auf hartem Sandwatt trockengefallen, wie hier zu sehen bei Niedrigwasser, mit Pferd und Wagen gelöscht wurden. Landungsbrücken hatten hier, aufgrund von heftigen Herbst und Winterstürmen, keine lange Lebensdauer. Die Wittdüner/Steenodde Bucht war schon immer ein optimaler, gegen Süd-West und Nordwestwind geschützter Naturhafen. Eine Stevenaak, Cromstevenklipper oder Hochsee-Ewer ohne Seitenschwerter? Auf den Grabsteinen der amrumer Seefahrer auf dem Nebeler Friedhof, findet man jedoch jede Menge in Stein gemeißelte Plattboden mit Seitenschwertern, so daß anzunehmen ist, daß der Einfluß der niederländischen Schiffbauer damals sehr groß war. Martin Martinen erwähnt in seinem Tagebuch -ISBN 3-7979-1897-6 um 1900 als Mitsegler eine ostfriesische Tjalk im Wyker Hafen. Es gibt kaum Literatur über unsere historischen lokalen Gebrauchs-Segelfahrzeuge. Die zahlreichen alten amrumer und föhringer Kapitäne bevorzugten ganz offenbar 3 und 4 mastige Groß-segler, waren Walfänger und hatten großes Renomee bei P-Reederei F. Laeisz und bei der SLOMAN-Reederei als DIE VON DEN GEWÜRZINSELN. Wie dem auch immer sei, lange Zeit gab es keine amrumer Plattboden mit Seitenschwertern mehr.

Quelle amrumer historischer Segelfahrzeuge sind:

1.Kapitäns- Schipper-Grabsteine 

2. Fliesenmalereien

3. Fotos, gemalte Bilder und Postkarten.

4. Tage-u .Logbücher

 

Leider ist derzeit (1998) nur ein kleiner Teil der Steine gepflegt erhalten, und zwar diejenigen, die der heute alles beherrschenden weißen Industrie diehnlich sind, d.h. touristisch vermarktet werden können- wie  HARCK NICKELSEN geb 12. okt 1706, der im 12. Jahre seines Alters sein brodt bey der Schiffahrt suchte, 1724 von türkischen Seeräubern gefangen, an den Bey von Algier verkauft, nach 3 Jahren Gefangenschaft von Portugiesen freigekauft, suchte in Holland und Copenhagen sein Glück, fuhr schließlich als Capitän nach Westindien und Guinea. Waffen- Rum- u. Sklavenhandel machten ihn bereits nach 3 Dreieckskursen bzw.- Fahrten zu einem der reichsten Steuerzahler der dänischen Krone. Sein 3mastiger Rah-Segler bzw. Bark  D.BRANDENDE BERG ist detailreich   (vom Steinmetz Arfst Hanckens) im Stein verewiegt.

 

Das ist der Grabstein von Rauert Tückes aus Norddorf, dem Anführer der Amrumer Austernfischer, geboren 1802 in Nebel auf Amrum. Es ist der einzige Stein, der ein kleineres, einmastiges Schiff zeigt. Er steht weit abseits der berühmten Steine der wesentlich größeren 2 bis 4 mastigen Schiffe der Großschiffahrtskapitäne, Grönlandfahrer, Walfänger und Commodores. Mittlerweile verweest und unbeachtet von den Touristen, steht er am Rande der alten Seefahrersteine unter den Bäumen des SARKHOOFs-Steindeich. Als ich ihn 2005 sauber machen wollte, um das Rigg zu studieren, bin ich von Museumwächtern aus dem fernen Schleswig unter Androhung von Strafe vom Friedhof verjagt worden. Es ist der einzige Stein, der eine holländische Aak, bzw ein Fischereifahrzeug zeigt. Und zwar mit allen Details einer voll entwickelten Visserman-Aak, wie sie heute wieder gebaut wird: Seeschwert, zwei Reihen Reff im Groß, eine Reffreihe in der Normalfock, einen großen Kluiver, doppelt geschorene Kranleine (Dirk) für das eiserne Fanggeschirr, etc. (siehe auch Präsentation Friesentörn- als downloads -unten). Von September bis April wurden die Austernbänke der nordfriesischen Watten von Amrumer Fischern abgeräumt, die als Lohnunternehmer von inselfremden Pachtgesellschaften angestellt waren. Ab 1907 schließlich wurden schließlich Fischdampfer eingesetzt, so daß nach wenigen Jahren alle Bänke leer waren. So blieb auch nichts von den Segelfahrzeugen übrig. Rauert Tückes war verheiratet mit Ehlken T. geb Matzen aus Süddorf, starb 1846 kinderlos; alles, was blieb, ist sein Stein, mit der meisterhaft, detailiert dargestellten Vissermanaak, hergestellt von einem der begabten Amrumer Steinmetze, Jan Peters aus Nebel. Die Schriften mit den zum Teil abenteuerlichen Geschichten auf den Steinen sind ausnahmslos in deutscher Sprache verfaßt, ungeachtet der Zugehörigkeit Amrums zum Königreich Dänemark, und ungeachtet unserer friesischen Umgangssprache. Umfangreich beschrieben findet man die Steine von GEORG QUEDENS in seinem Buch: Die alten Grabsteine auf dem Amrumer Friedhof. Leider aber so gut wie nichts über die Schiffsdaten insbesondere die Werften. Vermutlich stammte ein Großteil der Arbeitsschiffe von den nahe gelegenen dänischen Werften, bzw aus Nordby auf FÄNÖ, die kleinen Fischer aus der wyker Werft, die Schmackschiffe haben prägnante holländische Merkmale.

 

Aus den Quellen lassen sich drei verschiedene Fahrzeugtypen unterscheiden:

 

1. am meisten beachtet die 3-4 mastigen Hochseeschiffe, Barken Brigantinen....... auf die hier nicht weiter eingegangen wird.

2. Küstenfahrzeuge, Frachter

3. Fischer

 

Küstenfahrzeuge aus dem 16-17 jahrhundert

Smakken, Koffen en Tjalken

 

Li Schmackschiff, bzw. Fliesendecor , Kapitänshaus auf Hallig Hooge.

Auf Amrum findet man (in  den Tagebüchern) die Bezeichnung SMACK Schmackschiff. Die Holländer sagen

Smakzeil-Boeiers, verzamelnaam voor alle (zeegaande) Boeiers met spriettuig 

Die profundeste Abhandlung über Typenbeschreibung findet man bei

Frits R.Loomeijer:  Met Zeil & Treil

Nederlands Scheepvaartsmuseum te Amsterdam.

Es handelt sich bei dem hooger Fliesendekor, ebenso wie bei 10 weiteren amrumer Grabsteinmeißel- Arbeiten um ein Wattenmeer-Frachtschiff holländischer Bauart: Plattboden, Seitenschwerter; bauchiger Vorsteven, hohes Spiegel-Heck, stark positiver Sprung: heute würde man sagen Kof-tjalk, nach dem hochgezogenem Spiegel auch Hek-tjalk (leichter zu bauen, behindert allerdings den Radius einer notwendigerweise  großen Pinne, weswegen die späteren Tjalken ein rundes flacheres Heck bekamen).

Tacklung mit 1 oder 2 Rahsegel im Großmasttopp, sowie ein großes Gaffel oder Spriet segel am Großmast sowie Bezaanmastje vor der PINNE -voor de helmstok -.

In den Urkunden werden die als Schmacken auch als Boyertt -vermutlich Boeier- bezeichnet. Eine erhaltene  Urkunde von 1641- Matthies Flor- für den Bootsbauer beschreibt folg. Anforderung für einen Neubau: Größe von 40-50 Lasten (150-200 tonnen Tragfähigkeit) oder 90-120 Passagiere, Preis ca 5-6000 Gulden (ca 150-200 000 €)  s. August Clausen- holländische Werften und Schiffbauer, wo auch die Tegels-Wandfliesen-Tableau s (Makkum, Harlingen, Delft) entstanden.

ein Schmackschiffer:

war im Frühjahr und Herbst Passagierschiffer, dazwischen vermutlich Frachter. Nachdem er die Walfänger in Amsterdam angelandet hatte, bekamen die Seeleute Heuer-Vorschuß, weswegen die amrumer Frauen die  Rückkehr der Schmackschiffer sehnlichst erwarteten. Heute würde man sagen: Schmackschiffer  waren nicht nur Nordseetaxi sondern auch Geld- Post- u. Nachrichtenübermittler und hatten so ein hohes Ansehen.

 

 

                        Spriet- zeil

 

                          Sprietbaum

 

 

 Wenn man vom Rigg und nicht von der Rumpfform ausgeht, findet man in der Literatur bei Nicolaes Witsen, 1690  - das im 17jahrhundert Tjalken und verwandte Schiffe ein Smakzeil  führten.

Was Witsen als Smakzeil beschreibt, nannte man in der Zeit aber auch Sprietzeil -d.h.ein Großsegel, das mit einem (Spriet-) Baum vom Großhals zur Gaffelnock verlaufend gefahren wurde

(s. li der diagonale Baum),

was zu der im 17.jh gängigen  Bezeichnung Smack, Smak oder Schmack geführt haben dürfte.  Dieses Sprietsegel ist auf vielen Grabsteinbildern ( jedoch nicht auf dem Fliesendekor) zu sehen. Es war im übrigen auch die ursprüngliche Hoogaars-Takelung. Sie ist mit der Zeit völlig von der Gaffeltaklung verdrängt worden, was den Segeltrimm verbessert: Tiefer Segelflächenschwerpunkt, bessere Kennterstabilität und vor allem kommt man damit  viel höher an den Wind. Dies neue Gaffelrigg wurde immer noch durch Geerden (s.u.) getrimmt.

Das Wort schmacken (mitteldeutsch = schlagen) rüht vermutlich vom schlagen des Spriet-Segel während des Wendemanövers dieser im Topp besonders stark ausladenden Segelform.

                        Schmacken konnte man also hören.

 

Schmackschiffe werden auch in den Flachgewässern der Ostsee beschrieben (1559 in Braunsberg, Ostpreußen)

so daß auch dieses Indiz dafür ist, das man nicht von einer baugleichen  Typenbeschreibung, sondern eher für eine Nutz-bezeichnung (Flachwassertransport-fahrzeug) ausgehen dürfte. Bekanntlich entwickelten die alten Bootsbauer ihre Schiffe nicht nach Skizze, Typen- Plan oder Riss sondern aus ihrem Kopf, nach Erfahrung und Nützlichkeit.

 

                                              Spriethoogaars  mit einem mächtigen Spriet-Baum

                                              bei wenig wind

                                              unter Vollzeug

                                              beide Schwerter gesteckt, offenbar um den Hafen aus zu fahren

                                              mit kurzen Kreuzschlägen,

                                              die Stb-Geerde ist dicht gesetzt, um max. Höhe zu kriegen

 

 

Das Besondere an diesem außerordentlich gut erhaltenen Stein mit exakt gezeichnetem Riss

auf der Rückseite des GrabSteins von Andreas Fink ist eine Angabe zur  Fracht (Personen und Waren), so wie zur Route,

  desweiteren auch Andeutung über Strandung und schlecht Wettertörns:

 

                    Vor Schiffer hab ich gefahren

                     viel Jahr und lange Zeit

                   mit Volck auch Kaufmanns-Waren

                    auf der Elb Weser und Anderwelt

                       dabey auch ausgestanden

                        viel Sorge Tag und Nacht

                    in See und auch auf Stranden

                    zur Ruh mich hat Gott gebracht

                                   Andres Fink

                                     Ao. 1740

 

Auf der Vorderseite findet sich eine Familiengeschichte,

2x verheiratet, fünf Söhne vier Töchter

Familie und Frauenswelt war dem Auftraggeber des Steinmetzes offenbar

wichtiger als das Schiff . Die erstaunlich detailgetreue Abbildung spricht für eine gute Beratung durch einen Schipper oder eine ordentliche Skizze.

 

Sprietzeil ist ein nahezu rechteckiges Groß-segel, das an seiner Nock durch einen Spriet-Baum, wie ein hochgeklappter Giekbaum ausgestellt wird (im 18jahrhundert Smakzeil genannt). Die Sprietbaumnock wird durch Geerden (Nock-Schot) zum Ruderstand bzw an die Bordwand geführt, wegen der großen Kräfte mit einer 2 oder 4-Scheibentalje versehen.

Ein weiteres ebenfalls auf dem Stein besonders detailreich dargestelltes Merkmal dieser Kof-tjalken - im 16.17.18 jahrhundert synonym smak- ist der kleine zierliche extrem weit achterlich plazierte Besan, der deswegen einen Papageienstock nötig hat, um seine Schot zu führen. Im Original heist der kleine Mast DRUIL-Mastje. Sein kleiner Bezan verschiebt den Segelschwerpunkt weit nach achtern und erleichtert so die Wende durch den Wind.

Vermutlich ließ sich das Fahrzeug bei Starkwind, wie ein 2-Mastewer, auch allein mit Besan und Kluiver gut getrimmt segeln. Hoher Freibord oder großes Boeisel ermöglicht große Frachtraten und Seefestigkeit. Das nicht sehr tief stechende Seitenschwert ist ein Kompromis zwischen Zee-und Ewerschwert- Wattenrevier angepaßt. Es hat kräftige eiserne Beschläge. Das große Ruder ist plattbodentypisch mit langer Hacke abgebildet. Buganker Vorlucke und Wasserstag des mächtigen Kluiver sind gut zu erkennen. Das Boeisel oberhalb der Berghout besteht zumindest aus zwei Gängen. Der Rumpf hat die typischen Rundungen einer Tjalk. Heck wie bei einer Kof, allerdings Pinne vor dem Bezanmast.

 

 

Hinrich Quedens 1733-1799

Wie alle gemeißelten Smakken, Kof-tjalken mit einem, manchmal auch 2 Groß-topp-Ra-Segeln (bei achterlichem Wind  vorteilhaft) und mehreren Kluiversegeln, kein Smak- sondern Gaffel-großsegel.

Auf einem der Steine findet sich ausnahmsweise mal ein Schiffsname.  Angaben über Auftraggeber, Jahreszahl, Werft, Tonnage, Tiefgang, LÜA, Breite  Rigg und Segelfläche fehlen dagegen vollständig. Keine Beschreibung von Segeleigenschaften

Allerdings ist auf diesem Stein vermerkt, daß der Schipper 1799 zwischen Föhr und Amrum verunglückt ist

3Amrum/3Sylter, Austernfischerflottille im Päckchen, vor (offenbar 2)  Anker(n). Ganz offensichtlich handelt es sich um flachwasser angepasste Arbeitsschiffe. Lange gestreckte Gaffel bedeutet viel Tuch im Groß und Möglichkeit Toppsegel für Leichtwind. Der Mast steht offenbar im Übergang vorderes/mittleres Drittel, was ordentlich Segelfläche in der Fock möglich macht; ein langer kluiverbaum bedeutet eine erhebliche Trimmvariation. Dazu große Kennterstabilität durch eine große Schiffsbreite, bzw. einen flachen Boden bzw. geringen Tiefgang ermöglichte? Die linksseitigen 3  Fischer haben eine unterschiedlich kräftige Saling, zierliche Masten mit Backstaken. Allerdings kein Seitenschwert.Die 3 auf der re Seite haben kräftigere Backstagen und Masten einschließlich des Klüverbaums.

 

HOTSPUR Austernfischer ca.1860 gebaut auf der Wyker Werft , Vorfischer bzw.

Schipper Rulof Wilhelm Peters 1834-1911

Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Kielschiff. Beiboote sind (deswegen ?) auf allen Bildern mitgeführt. Klau- und Piekfall laufen über 3 Taljen, so daß das große Gaffelsegel mit einer Deckshand allein gesetzt werden konnte, das mit  Mastringen bzw hölzernen Rackbanden angeschlagen war. Fester Kluiver ohne Baum-Fall.

Wohnhaus von Rulof W.Peters in Norddorf, links neben dem  Laden von Ingeline und Jan Knudten, später Friesenlädchen. Li oben neben dem jaat war RULOUSKNOOB (ca 1895 von Jan Simon Jannen erworben ) mit Dreibeinausguck übers Watt nach Föhr und westlich zu den Fanggründen nach Hörnum.

Der junge Rulof Peters war als Goldgräber in Australien offenbar so erfolgreich, daß er ein Fischerfahrzeug und schließlich 1868  auf der Wyker Werft einen ca 12m gaffelgetacklten Austernfischer bauen lassen konnte: Hotspur hieß der Segler, wie der Großsegler, der ihn glücklich  von Australien heim gebracht hatte. 1863 wurde er zum Vorfischer ernannt, und in Nieblum/Föhr mit einer Urkunde offiziell vereidigt.

Sein Logbuch (Tagebuch) ist eins der wenigen schriftlichen sehr detailierten Quellen über das Fangrevier, Strandungen dörfliche- und politische Ereignisse auch über den österreich/preussisch - dänischen Krieg, und über die distanziert unabhängig neutrale eher dänenfreundliche Haltung vieler  Amrumer. Die deutschen Soldaten beschreibt Rulof als Besatzung. Sein Bruder war Koijenmann und Fischer. Cornelius führte ebenfalls ein ausführliches logbuchartiges Tagebuch.

                                                                                  Austernfischer unter Vollzeug mit Gaffeltopp.

Die Besegelung spricht für sehr gute Segeleigenschaften und paßt sowohl zu den exorbitanten Frachtraten bzw Muschelladungen und auch der Größe des Fang-Revieres von Fanö über Eidum bis in die Hever (Südfall), die sich im Logbuch von Rulof W. Peters  finden

(auf friesisch rulou ausgesprochen, mit rollendem rrrrrrrrrr wie bei cecilia bartolie).

Rulof W. Peters wurde daneben aktenkundig erwähnt anläßlich eines gerichtsnotorischen Streits um dem Bergelohn der norwegischen Bark ROMA, die im Februar 1894 leckgeschlagen, von der Manschaft verlassen , mit schlagenden zerfetzten Segeln südwestlich vor Amrum treibend (hoher Bergelohn!),vom Leuchtturmwärter aus gesichtet wurde. Als erster vom steenooder Tonnenleger ANNA unter Gerret Conrad Ricklefs auf hoher See geborgen, erreichte auch Rulof mit seiner HOTSPUR den Havaristen und half mit 5 Mann lenz zu pumpen und beim Notriggen der ROMA. Sie beschlossen  den Havaristen nicht zur Wittdüner Reede sondern nach Hamburg zu segeln, um sich vom wenig beliebten aber sehr erfolgreichen  wittdüner Strandvogt und Berger Volkert Martin Quedens fern zu halten, der sich dann aber trotzdem mit großer Dreistigkeit (mit dem wittdüner Rettungsboot!) gegen den Widerstand der  Berger mit Gewalt Zugang zum Havaristen verschafte und, nach den Gerichtsakten zu urteilen, den Steuermann auf den Hinterkopf schlug, um eine Kursänderung in sein Strandrevier nach Wittdün zu erzwingen (was auch damals von jedem ordentlichen Seeamt der Welt als Piraterie zu harter Bestrafung hätte führen müssen). Das Hamburger Seeamt schanzte jedoch unverständlicher weise V.M.Quedens ein Zehntel des Bergelohn zu, was zu Protesten selbst innerhalb der preußischen Ämter führte, und die Abneigung der seefahrenden Inselfiesen gegenüber den deutschen Obrigkeiten bestärkt haben dürfte?

 

Die Austernfischerei ernährte von Oktober bis Mai, d.h. über winter, wenn die Handelsfahrer zuhause waren, jahrzehntelang einige Familien. Erst wer einmal im Herbst-Winter-Frühjahr in dem Revier unterwegs war, weiss was das für Segelbedingungen waren!

 

 

Schipper Gerret Jacob Matzen 1821-1899 aus Süddorf/Amrum

war der erste private Eigner des zuvor dänischen auf Amrum -Schmaltiefe- stationierten Zollkreuzers No. 5,

auf dem er als  beamteter dänischer Schipper - KreuzZollkontrolleur- fuhr.

Nach Übernahme Schleswigs durch die Preußen hatte er das Schiff als marode beschrieben und so günstig ersteigert, renoviert und dann unter dem ironischen Namen TREUE gefahren.

Gerret und seine Frau Tadje stehen in Leo,s Stammbaum; 

 

Er wird im Logbuch von Rulow als Austerntransporter vielfach erwähnt.

Die Fliese stammt aus Leo s Feder.

 

 

Heute fährt das prächtig renovierte Schiff als RIGMOR von GLÜCKSTADT wieder regelmäßig in den Sommerferien mit Tagesgästen von Wittdün in die Norderaue und manchmal auch ins Schmaltief (alte Zollgrenze).

 

Altarbild in der kleinen Wittdüner Kirche. Bislang erstaunlicherweise immer noch nicht touristisch vermarktet. Kein Badegast erfährt die unglaubliche Geschichte des in der Rütergat-Brandung gestrandeten harburger  Dampfer ALBIS aus 1922. Der Wittdüner Retter HERRMANN FREESE erreichte den Haveristen als Erster. 9 Mann der 18köpfigen Besatzung konnten abgeborgen werden. Dann mußte der Retter wegen schwerer See beidrehen. Vormann Carl Quedens, der die ALBIS geentert hatte, mußte an Bord des sinkenden Havaristen bleiben.  Erst am folgenden Tag konnte er , wie die übrige Besatzung,  vom Norddorfer Retter PICKER, nach todesmutiger Fahrt im Orkan von der eben noch nicht überspültem Brücke der ALBIS  über Stag und Want der PICKER abgeborgen werden. Allein der norddorfer Vormann Gerret Peters erhielt die Rettungsmedallie der DGzRS. Carl Quedens hingegen wurde jedoch nicht bedacht (Bergungsabsichten?).

Der Retter PICKER re hatte ein Gaffelgroß (keine Nationale am Stock!), bei Schlechtwetter wurde gerudert.

ca 1890 Hallig Watt?, Krabben-Fischer (fries porrn.), u.a. Frauen barfuß im  Watt in friesischer Tracht, wie meine Oma I.B.A. Jannen sie noch täglich getragen hat. Vermutlich Halligwatt, jedenfalls ist auf Amrum kein Gliebfischen bekannt gewesen? Eins der wenigen Dokumente dafür, daß zumindest die jungen Frauen auch beim Fischen mehr als nur geholfen haben. Mit den großen  Ketchern bzw Schiebenetzen genannt GLIEB wurden bei NW Krabben aus den Prielen geholt, natürlich nur für den eigenen Tisch. In einem Austernfischer Logbuch findet sich auch ein Frauenname als Manschaftsmitglied. Der frei mit laufende Hund am rechten Bildrand hätte heute möglicherweise, da wir zu Deutschland gehören, ein Gerichtsverfahren (Zone 1) zu Folge. Heute graben etwa 300 Kutter der Wattenmeere 250 milliarden Krabben/ano mitsammt der Fischbrut aus dem Wattengrund, solange noch was nach ist. Ihre Maschinen verbrauchen 35l diesel/std, müssen dafür 3tons krabben/woche fangen. Als Kinder konnten wir an der Odde Schollen noch mit den Füßen treten; heute ist alles leer gefegt.

 

Foto aus den Beständen meines Großvaters J.S.Jannen. Am Stand der Sonne erkennt man einen Blick nach Westen. Die Gaffelgetakelten Fahrzeuge segeln eindeutig vor dem westlichen Kniepsand, vermutlich in Höhe des Norddorfer Strandes (Kniephafen). Draußen erkennt man eine Bank, so daß Sylt nicht in Frage kommt, dazu ist die Welle auch zu lang. Möglicherweise Muschelfischer. Von historischen Plezierfahrzeugen dieser Größe  hab ich auf Amrum nie gehört.

 

 

 

Wyker Werft mit Slipanlage und mit einer kleinen Jolle im Vordergrund

Die eigentliche  Werft befand sich am Sandwall, etwa am heutigen Kurhaus-Hotel

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