Hoogaars
JOHANNA v. AMRUM

Schwert und Trimm

Um die häufige Frage der amrumer Badegäste:" Wozu brauchen Sie denn bloß diese Holzflügel?" mit " Zum Fliegen" kurz, klar und überzeugend beantworten zu können, haben wir eine kupferne SeeAdler-Attrappe unter den Schwertkopf angebaut.
Um die häufige Frage der amrumer Badegäste:" Wozu brauchen Sie denn bloß diese Holzflügel?" mit " Zum Fliegen" kurz, klar und überzeugend beantworten zu können, haben wir eine kupferne SeeAdler-Attrappe unter den Schwertkopf angebaut.

 

1. Mit Hilfe von Seitenschwertern kann ein Schiff auch in flachen Gewässern auf allen Kursen segeln. Sie ersetzten den Mittelkiel der Hochseeyacht und ermöglichen es auch hoch gegen den Wind zu segeln, wenn das Schwert tief gesteckt ist. Ein Rundboden braucht einen wirksames Schwert, ein Knickspant fährt allein durch seine Rumpfform kurssabiler am Wind, wie man das an den modernen Vissermanschouwen sehen kann.

2. Mit diesem beweglichen Instrument, das auf JOHANNA an der Abstromkante so scharf wie ein Ritterschwert (wie  auf der legendären Windroos) geschnitten ist, läßt sich auch der Lateralschwerpunkt verändern, d.h. Luv- oder Leegierigkeit beeinflussen. So kann allein durch Schwertaufholen oder Tieferstecken Druck aus dem Ruder nehmen, also gemütlicher Segeln ohne Änderung der Segelflächen vor oder hinter dem Mast bzw ohne Reff. Eine sehr einfache uralte Methode, bzw. TRIMM-instruent; das man bald nicht mehr missen möchte. Obwohl man in der Jugend schon Thor Heyerdahls  Geschichten über die entscheidende Bedeutung der Steckschwerter für die Besiedlung der riesigen Südsee-Wasserwelt bzw. ihrer Atolle  der gelesen hatte, ist man gleichwohl das erste Mal überrascht, wie leicht man mit einem Handgriff -Schwertfall lösen- z.B. leegierikeit bei zuviel Vorsegel korrigieren kann. Bei Starkwind (6bft und mehr) und hierdurch zunehmender Luvgierigkeit nimmt man das tief eingestochene Schwert etwas hoch, und verschiebt so mit einem Handgriff den Lateralschwerpunkt nach achtern, um die Luvgierigkeit zu korrigieren.

Ist das Schiff auf allen Kursen und Windstärken Leegierig, so muß das Schwert auf dem Läufer nach vorn (Lateralschwerpunkt des Unterwasserschiff nach vorn vergrößert den Abstand zum Segelmittelpunkt), bei Luvgierig entsprechend nach achtern. Wenn man alleine fährt, muß das im Hafen geschehen.

Das Schwertaufholen geschieht mit einer  Schwertwinde oder wie bei uns allein mit einer Schwertfall-Talie zu bewerkstelligen. Wenn Kids dabei sind nehmen sie eine freie Schotwinde zu Hilfe.

 

 

Wirksam ist immer nur das Lee-Schwert. Der Winddruck wirkt über die Masse des Bootskörper als Schieber und drückt das Schiff so gegen das zuvor gefierte hölzerne Schwert. Wir lassen es während der Wende erst fallen, unmittelbar nachdem der Giekbaum über die Mitte gekommen ist. Durch sein flügelartiges Profil ( des Schwertes) stellt es sich wie die Schwinge eines Vogels ins anströmende Wasser.

Das dem Wind zugewandte - luvseitige - Schwert ist hier zu sehen. Es ist hier nicht ganz hoch geholt worden; es ist jedoch so schwer, so daß es auch aus dieser Stellung durch die schweren Beschläge des Schwert-fusses nach der nächsten Wende gut fällt.

Bei achterlichem Wind schwimmt das Schwert auf, bremst und muß hoch. Bei ausreichend Wind kann ein Plattboden auf einer langen Nordseewelle sogar surfen. Das BB Schwert trägt zur Zierde einen Adler aus Kupfer, damit es ordentlich und flugs arbeitet. Außerdem lässt sich damit (nicht nur den Badegästen) leichter erklären, dass ein Plattboden manchmal Flügel braucht. Profiliert, wie bei einem Flugzeug, saugen sie sich beim Losfahren leeseitig an die Streichklampe. Das Luv-Schwert ist nutzlos, und muß hoch, es sei denn, man man muß in engem Fahrwasser, Priel oder Hafen aufkreuzen. Im untiefen Watt sind sie, nicht zu tief gesteckt, darüber hinaus sehr verläßliche Tiefenmesser. Lange, schmale Seeschwerter sind sehr effektiv, zu lang bricht man sich aber auch leicht das Bein. Darüber hinaus fungiert es tief eingesteckt immer als verläßlicher Tiefenmesser bzw. als STECHOLOT.

 

 

 

Halber Wind, das Schwert kann dann mehr als halb hoch, da die Abdrift auf diesem Kurs gering ist.

 JOHANNA klaut unhöflicher Weise NORDSTRAND den Wind - ausluven ist nicht unanständig -

Anfahrt zur Rumregatta in der Flensburger Förde hoch am Wind. Der Klüverbaumwimpel zeigt den scheinbaren Wind fast in der Mitschiffslinie. Fock und Groß sind flach getrimmt. Das nicht sichtbare, dem Wind abgewandte (Lee-) Schwert tief gesteckt. Es fungiert jetzt als Kiel und ermöglicht JOHANNA eben so hoch bzw. noch ein bißchen höher, als die übrigen auf dem selben Bug segelnden Gaffler zu varen. Das hier sichtbare, dem Wind zugewandte (Luv-) Schwert ist aufgefiert, um nach der Wende einfach runterfallen zu können. Das Schwertfall läuft am Schanddeck zu einer Umlenkrolle vor der Want. Je tiefer das Schwert eintaucht, desto länger der Weg für das zugehörige Fall.

Das Schwert ist exzentrisch am Kopf an der Schertklamp aufgehängt, so daß es durch sein Eigengewicht von ca 80 kg problemlos runterfällt, wenn das Schwertfall frei kommt, um dann an der möglichst immer gut mit Leinölfirnis geschmierten Strijkklamp runter zu gleiten. Die Steichklamp ist zwischen 3-5 grad gegen die Mittschiffslinie abgewinkelt, so daß man hierdurch mit einem Plattboden theoretisch höher als mit einem Kielschiff gegen den Wind segeln kann, da im letzteren Fall der Kiel nur mitschiffs stehen kann.

Im Hintergrund des Bildes ist übrigens das SEMAPHOR an der Alten Liebe in Cuxhafen zu sehen. Es war eins der ersten Wettervorhersagen- besser gesagt Windvoranzeiger für die Elbeausfahrenden Segler. Es wurde im Jahre 1884 errichtet. 1982 verfügte, zum Entsetzen der ganzen norddeutsche Küste, ein (maritim)-kulturloser Beamter aus Bonn ihren Abriß, da "  nicht mehr zeitgemäß! " was glücklicherweise verhindert werden konnte. Unter den Buchstaben B wie Borkum und H für Helgoland fand die christliche Seefahrt eine Lagemeldung über die Windstärke und seine Richtung, die in diesen Ziel bzw Kurs erwartet werden konnte.

Winterarbeit; Da die hölzernen Schwerter aus Eichenholz an der Außenseite extremer Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, brauchen sie jedes Frühjahr einen frischen Anstrich; früher Teer oder eine Mischung aus je ein Drittel Diesel, Leinöl und Benzin, wie mir ein alter Fischer erzählte.

AUFKREUZEN in einem engen Watt-Fahrwasser. Das Schwert könnte besser stehen, sollte tiefer stechen. Wenn viele kurze Schläge nötig sind, lassen wir beide runter.

 

Hoch am Wind  muß das Schwert tief runter und das Backstag muß hart durchgesetzt werden. Das  Backstag ist dadurch ein weiteres Trimmelement. Es wird über einen Violin-Block bzw über 4 Scheiben-Talje in einer Curry-Klemme belegt (fixiert) und kann so rasch belegt und auch wieder gelöst werden.

 Einige benutzen dazu die luvseitige Fockwinsch, um es noch härter durch zu setzten.

Hierdurch kann die Fock höher an den Wind gebracht werden. Bei Starkwind fungiert das Backstag quasi als halbes Achterstag und hält den Großmast in Form und bietet zusätzliche Sicherheit vor Mastbruch. Bei wenig Wind oder beim Einhandsegeln bändseln wir es häufig einfach an den Wanten ab, ebenso beim Kreuzen vor dem Wind. Patenthalsen kosten immer ein paar Scheuerstellen bzw. Löcher im Groß-Segel, weil es dabei am Bug- Stag schamfielt.

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2 Nach §19 der Kleingewerberegelung bin ich berechtigt, keine Mehrwertsteuer auszuweisen.
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