Hoogaars
JOHANNA v. AMRUM

Warum ist Johanna so dick?

Und wozu braucht man ein Gaffelsegel?

Das untiefe Wasser im Wattenmeer erlaubt nur einen geringenTiefgang. Deswegen kann man den Winddruck nicht einfach mit einem tiefen Ballastkiel ausgleichen. Zunehmender Winddruck legt ein segeltragendes Schiff auf die Seite bzw. flach, bis zum Kentern. Kenterstabiltät eines Plattbodens kann in flachen Gewässern nur durch Formstabilität erzielt werden, d.h. breite Rumpfform tut not. Zunahme der Schiffs-Breite erhöht die Stabilität nicht nur linear sondern exponentiell. Dadurch kann das Schiff bei zunehmendem Wind länger aufrecht segeln bzw. mehr Segelfläche tragen. Ein aufrecht segelndes Schiff  hat den geringsten Widerstand und kommt so schneller voran.

Bezogen auf den Wasserpass beträgt das Verhältnis max.Länge/max.Breite: 8.50m zu 3.60m, je breiter desto mehr Formstabilität: Deswegen ist JOHANNA so dick. Schlanke und damit ranke Bootsformen sind nur mit Kompensation durch einen tiefgehenden Ballastkiel lange aufrecht zu segeln und gehören auf die offene tiefe See, aber nicht ins Wattenmeer, zumindest nicht außerhalb des Tonnenstrichs! Sie haben im Gegensatz zu Plattbodenschiffen eine hohe Endstabilität, richten sich immer wieder auf.

Bei Starkwind wie hier zu sehen (2010 Tee-Regatta, Accumer Ee, Joke am Ruder) ist ein relativ kurzer Mast und damit tiefer Segelmittelpunkt von Vorteil, um nicht schon bei relativ geringen Windstärken reffen zu müssen.

Große (12,5 tons) Wasserverdrängung braucht aber auch viel Segelfläche, was mit einer langen gekrümmten Gaffel erreicht wird (ein weiteres Hoogaarsmerkmal). Der Mast steht, bezogen auf die Wasserlinie, im vorderen Drittel, so dass das Gross-segel mit 43 m2 wirklich groß ist und gegenüber der Fock von 20 m2 dominiert, wie bei den meisten Plattboden. Deswegen ist der Trimm an allen 4 Ecken des Grossegels entscheidend für die Segeleigenschaften.

 

Die Instrumente hierfür sind Klau- und Piekfall, Halsstrecker (ebenso wie die Dirk aus der Plicht zu bedienen) sowie Schothornstrecker (über einen Klappläufer) an der Giek, um bei Starkwind flach zu trimmen.

 

 

 

 

 

Die Gaffel (gekrümmt oder gestreckt) ist ein Baum (Spiere oder Rundholz) mit einer mastseitigen Klau und einem Piek am äußeren Ende. In diesen Baum wird  das Groß-Segel eingenäht. Im Vergleich zu einem spitzen Dreiecksegels wird die Segelfläche hierdurch erheblich  (bis Faktor 2) vergrößert. Hiermit wir der  Segelmittelpunkt erheblich fußwärts verschoben und damit die (Kennter-)stabilität vergrößert.

 

Die Gaffel kann mit einem einzigen Fall gesetzt werden. Diese  Lösung der alten Krabbenfischer ist  Einfach und Unkompliziert. Das normale, weitverbreitete Gaffelrigg hat jedoch 2 Fallen: Die Klau am Mast hebt das Groß hoch, das Piekfall setzt an der Gallel-nock an und bringt das Segel in die gewünschte Form, hat demzufolge viel mehr Trimm-möglichkeiten. So kann man bei Starkwind die Piek sacken lassen (Geien), um mit einer so verkleinerten Segelfläche zu Halsen oder Druck aus dem Groß nehmen.

Trockengefallen erkennt man die Linienführung am eindruckvollsten, insbesondere den breiten Rumpf und die abgerundete Heckform, mit dem charakteristischem hoog arsch, der die brechende Welle der durchlaufenden hohen Zee abhält und damit auch namensgebend für diesen ehemaligen Krabbenfischer aus der Scheldemündung war. Die scharfe Kimm hat eine gute Kursstabilität zur Folge, ähnlich wie bei einem Langkieler, außerdem muß dabei das Schwert  auch nicht so tief stechen wie bei einem Rundboden.

Abgesehen von den Schotwinden wird alles andere an laufendem Gut über Blöcke und Talien gefahren, was viel Tauwerk bedeutet, wie auf der RICKMOR im Vordergrund, möglichst ordentlich aufgeschossen.

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