Lösungs Versuch des Rätsels: Was ist ein Schmackschiff ?
Wenn man die Literatur durchsieht, finden sich von der Ostsee bis nach Britanien ganz verschiedene historische Segler mit der Bezeichnung Schmackschiff mit völlig differentem Riss bzw Segel-Rigg. Das sagt schon, es gibt keine einheitliche Segel- und Mast Takelung unter diesem Namen.
Wenn man auf der Suche nach den lokalen Arbeitsfahrzeugen das wenige Material, die Tage-Logbücher und Steinmetzskizzen u. Wand-Fliesentables, zusammengetragen vor allen Dingen durch unseren großartigen Inselchronisten Georg Quedens, im Original liest, versteht man erst die ungeheuere Prägung unserer Vorfahren durch die See; aber auch die abgrundtiefe Angst der Amrumer Frauen vor der Zee, die ich auch bei meiner Mutter gespürt habe.
So schreibt Grönlandfahrer Fietje Larken 1840 aus Nebel (deutsch Friedrich Erichsen) nach verlustreich überstandenem schweren Sturm im Eismeer "wenn die Gefahr überstanden, vergißt der Seemann.....sonst würde es bald keine Seeleute mehr geben"
Ca. 1900 (?) auf Langeness: Festgemachtes gaffelgetakeltes Plattbodenfrachtschiff mit Seitenschwertern im Ilef, der damals offenbar ein breiter Priel war. Auf der rechten Prielseite ein Austern-Fischer? Plezierfahrzeug? Auf diesem kargen Halligeiland eher unwahrscheinlich? Der weit nach vorn plazierte Mast spricht für eine Gaffeltaklung. Über diese lokalen Arbeitsschiffe gibt es nur sehr wenig Überliefertes auf den Inseln der Westerharde. Auf der Nordmarschwarft stand nur ein einziges Haus. Der Priel verlief offenbar in Ost-West Richtung, so daß das alte Wittdün auf der Südspitze von Amrum am Horizont zu sehen ist. Die Postkarte stammt aus den nicht verkauften Beständen des Kaufhaus J.S.Jannen, meines Norddorfer Großvaters Jan Simon Jannen (1871-1955).
Der Warenverkehr vom Festland nach Amrum funktionierte bereits im 18. Jahrhundert u.a. mit 2 mastigen Plattboden, die auf hartem Sandwatt trockengefallen, wie hier zu sehen bei Niedrigwasser, mit Pferd und Wagen gelöscht wurden. Landungsbrücken hatten hier, aufgrund von heftigen Herbst und Winterstürmen, keine lange Lebensdauer. Die Wittdüner/Steenodde Bucht war schon immer ein optimaler, gegen Süd-West und Nordwestwind geschützter Naturhafen. Eine Stevenaak, Cromstevenklipper oder Hochsee-Ewer ohne Seitenschwerter? Auf den Grabsteinen der amrumer Seefahrer auf dem Nebeler Friedhof, findet man jedoch jede Menge in Stein gemeißelte Plattboden mit Seitenschwertern, so daß anzunehmen ist, daß der Einfluß der niederländischen Schiffbauer damals sehr groß war. Martin Martinen erwähnt in seinem Tagebuch -ISBN 3-7979-1897-6 um 1900 als Mitsegler eine ostfriesische Tjalk im Wyker Hafen. Es gibt kaum Literatur über unsere historischen lokalen Gebrauchs-Segelfahrzeuge. Die zahlreichen alten amrumer und föhringer Kapitäne bevorzugten ganz offenbar 3 und 4 mastige Groß-segler, waren Walfänger und hatten großes Renomee bei P-Reederei F. Laeisz und bei der SLOMAN-Reederei als DIE VON DEN GEWÜRZINSELN. Wie dem auch immer sei, lange Zeit gab es keine amrumer Plattboden mit Seitenschwertern mehr.
Quelle amrumer historischer Segelfahrzeuge sind:
1.Kapitäns- Schipper-Grabsteine
2. Fliesenmalereien
3. Fotos, gemalte Bilder und Postkarten.
4. Tage-u .Logbücher
Leider ist derzeit (1998) nur ein kleiner Teil der Steine gepflegt erhalten, und zwar diejenigen, die der heute alles beherrschenden weißen Industrie diehnlich sind, d.h. touristisch vermarktet werden können- wie HARCK NICKELSEN geb 12. okt 1706, der im 12. Jahre seines Alters sein brodt bey der Schiffahrt suchte, 1724 von türkischen Seeräubern gefangen, an den Bey von Algier verkauft, nach 3 Jahren Gefangenschaft von Portugiesen freigekauft, suchte in Holland und Copenhagen sein Glück, fuhr schließlich als Capitän nach Westindien und Guinea. Waffen- Rum- u. Sklavenhandel machten ihn bereits nach 3 Dreieckskursen bzw.- Fahrten zu einem der reichsten Steuerzahler der dänischen Krone. Sein 3mastiger Rah-Segler bzw. Bark D.BRANDENDE BERG ist detailreich (vom Steinmetz Arfst Hanckens) im Stein verewiegt.
Aus den Quellen lassen sich drei verschiedene Fahrzeugtypen unterscheiden:
1. am meisten beachtet die 3-4 mastigen Hochseeschiffe, Barken Brigantinen....... auf die hier nicht weiter eingegangen wird.
2. Küstenfahrzeuge, Frachter
3. Fischer
Küstenfahrzeuge aus dem 16-17 jahrhundert
Smakken, Koffen en Tjalken
Li Schmackschiff, bzw. Fliesendecor , Kapitänshaus auf Hallig Hooge.
Auf Amrum findet man (in den Tagebüchern) die Bezeichnung SMACK Schmackschiff. Die Holländer sagen
Smakzeil-Boeiers, verzamelnaam voor alle (zeegaande) Boeiers met spriettuig
Die profundeste Abhandlung über Typenbeschreibung findet man bei
Frits R.Loomeijer: Met Zeil & Treil
Nederlands Scheepvaartsmuseum te Amsterdam.
Es handelt sich bei dem hooger Fliesendekor, ebenso wie bei 10 weiteren amrumer Grabsteinmeißel- Arbeiten um ein Wattenmeer-Frachtschiff holländischer Bauart: Plattboden, Seitenschwerter; bauchiger Vorsteven, hohes Spiegel-Heck, stark positiver Sprung: heute würde man sagen Kof-tjalk, nach dem hochgezogenem Spiegel auch Hek-tjalk (leichter zu bauen, behindert allerdings den Radius einer notwendigerweise großen Pinne, weswegen die späteren Tjalken ein rundes flacheres Heck bekamen).
Tacklung mit 1 oder 2 Rahsegel im Großmasttopp, sowie ein großes Gaffel oder Spriet segel am Großmast sowie Bezaanmastje vor der PINNE -voor de helmstok -.
In den Urkunden werden die als Schmacken auch als Boyertt -vermutlich Boeier- bezeichnet. Eine erhaltene Urkunde von 1641- Matthies Flor- für den Bootsbauer beschreibt folg. Anforderung für einen Neubau: Größe von 40-50 Lasten (150-200 tonnen Tragfähigkeit) oder 90-120 Passagiere, Preis ca 5-6000 Gulden (ca 150-200 000 €) s. August Clausen- holländische Werften und Schiffbauer, wo auch die Tegels-Wandfliesen-Tableau s (Makkum, Harlingen, Delft) entstanden.
ein Schmackschiffer:
war im Frühjahr und Herbst Passagierschiffer, dazwischen vermutlich Frachter. Nachdem er die Walfänger in Amsterdam angelandet hatte, bekamen die Seeleute Heuer-Vorschuß, weswegen die amrumer Frauen die Rückkehr der Schmackschiffer sehnlichst erwarteten. Heute würde man sagen: Schmackschiffer waren nicht nur Nordseetaxi sondern auch Geld- Post- u. Nachrichtenübermittler und hatten so ein hohes Ansehen.
Sprietbaum und Zeil
Wenn man vom Rigg und nicht von der Rumpfform ausgeht, findet man in der Literatur bei Nicolaes Witsen, 1690 - das im 17jahrhundert Tjalken und verwandte Schiffe ein Smakzeil führten.
Was Witsen als Smakzeil beschreibt, nannte man in der Zeit aber auch Sprietzeil -d.h.ein Großsegel, das mit einem (Spriet-) Baum vom Großhals zur Gaffelnock verlaufend gefahren wurde
(s. li der diagonale Baum),
was zu der im 17.jh gängigen Bezeichnung Smack, Smak oder Schmack geführt haben dürfte. Dieses Sprietsegel ist auf vielen Grabsteinbildern ( jedoch nicht auf dem Fliesendekor) zu sehen. Es war im übrigen auch die ursprüngliche Hoogaars-Takelung. Sie ist mit der Zeit völlig von der Gaffeltaklung verdrängt worden, was den Segeltrimm verbessert: Tiefer Segelflächenschwerpunkt, bessere Kennterstabilität und vor allem kommt man damit viel höher an den Wind. Dies neue Gaffelrigg wurde immer noch durch Geerden (s.u.) getrimmt.
Das Wort schmacken (mitteldeutsch = schlagen) rüht vermutlich vom schlagen des Spriet-Segel während des Wendemanövers dieser im Topp besonders stark ausladenden Segelform.
Schmacken konnte man also hören.
Schmackschiffe werden auch in den Flachgewässern der Ostsee beschrieben (1559 in Braunsberg, Ostpreußen) so daß auch dieses Indiz dafür ist, das man nicht von einer baugleichen Typenbeschreibung, sondern eher für eine Nutz-bezeichnung (Flachwassertransport-fahrzeug) ausgehen dürfte. Bekanntlich entwickelten die alten Bootsbauer ihre Schiffe nicht nach Skizze, Typen- Plan oder Riss sondern revierangepasst aus ihrem Kopf, nach Erfahrung und Nützlichkeit.
Spriethoogaars mit einem mächtigen Spriet-Baum
bei wenig wind
unter Vollzeug
beide Schwerter gesteckt, offenbar um den Hafen aus zu fahren
mit kurzen Kreuzschlägen,
die Stb-Geerde ist dicht gesetzt, um max. Höhe zu kriegen
Das Besondere an diesem außerordentlich gut erhaltenen Stein mit exakt gezeichnetem Riss und eines Smakzeil, Sprietsegel und Sprietbaum
auf der Rückseite des GrabSteins von Andreas Fink ist eine Angabe zur Fracht (Personen und Waren), so wie zur Route,
desweiteren auch Andeutung über Strandung und schlecht Wettertörns:
Vor Schiffer hab ich gefahren
viel Jahr und lange Zeit
mit Volck auch Kaufmanns-Waren
auf der Elb Weser und Anderwelt
dabey auch ausgestanden
viel Sorge Tag und Nacht
in See und auch auf Stranden
zur Ruh mich hat Gott gebracht
Andres Fink
Ao. 1740
Auf der Vorderseite findet sich eine Familiengeschichte,
2x verheiratet, fünf Söhne vier Töchter
Familie und Frauenswelt war dem Auftraggeber des Steinmetzes offenbar
wichtiger als das Schiff . Die erstaunlich detailgetreue Abbildung spricht für eine gute Beratung durch einen Schipper oder eine ordentliche Skizze.
Sprietzeil ist ein nahezu rechteckiges Groß-segel, das an seiner Nock durch einen Spriet-Baum, wie ein hochgeklappter Giekbaum ausgestellt wird (im 18jahrhundert Smakzeil genannt). Die Sprietbaumnock wird durch Geerden (Nock-Schot) zum Ruderstand bzw an die Bordwand geführt, wegen der großen Kräfte mit einer 2 oder 4-Scheibentalje versehen.
Ein weiteres ebenfalls auf dem Stein besonders detailreich dargestelltes Merkmal dieser Kof-tjalken - im 16.17.18 jahrhundert synonym smak- ist der kleine zierliche extrem weit achterlich plazierte Besan, der deswegen einen Papageienstock nötig hat, um seine Schot zu führen. Im Original heist der kleine Mast DRUIL-Mastje. Sein kleiner Bezan verschiebt den Segelschwerpunkt weit nach achtern und erleichtert so die Wende durch den Wind.
Vermutlich ließ sich das Fahrzeug bei Starkwind, wie ein 2-Mastewer, auch allein mit Besan und Kluiver gut getrimmt segeln. Hoher Freibord oder großes Boeisel ermöglicht große Frachtraten und Seefestigkeit. Das nicht sehr tief stechende Seitenschwert ist ein Kompromis zwischen Zee-und Ewerschwert- Wattenrevier angepaßt. Es hat kräftige eiserne Beschläge. Das große Ruder ist plattbodentypisch mit langer Hacke abgebildet. Buganker Vorlucke und Wasserstag des mächtigen Kluiver sind gut zu erkennen. Das Boeisel oberhalb der Berghout besteht zumindest aus zwei Gängen. Der Rumpf hat die typischen Rundungen einer Tjalk. Heck wie bei einer Kof, allerdings Pinne vor dem Bezanmast.
Hinrich Quedens 1733-1799
Wie alle gemeißelten Smakken, Kof-tjalken mit einem, manchmal auch 2 Groß-topp-Ra-Segeln (bei achterlichem Wind vorteilhaft) und mehreren Kluiversegeln, kein Smak- sondern Gaffel-großsegel, weit achtern ein kleiner Besan mit PapageienStock ausgestellt, das die Schot führt. Die über das Achterschiff herausragende Position dürfte beim Überstaggehen, wenden vorm Wind, oder als Sturmsegel in Zusammenwirkung mit einem kleinen Kluiver hilfreich gewesen sein.
Auf einem der Steine findet sich ausnahmsweise mal ein Schiffsname. Angaben über Auftraggeber, Jahreszahl, Werft, Tonnage, Tiefgang, LÜA, Breite Rigg und Segelfläche fehlen dagegen vollständig. Keine Beschreibung von Segeleigenschaften
Allerdings ist auf diesem Stein vermerkt, daß der Schipper 1799 zwischen Föhr und Amrum verunglückt ist
3Amrum/3Sylter, Austernfischerflottille im Päckchen, vor (offenbar 2) Anker(n). Ganz offensichtlich handelt es sich um flachwasser angepasste Arbeitsschiffe. Lange gestreckte Gaffel bedeutet viel Tuch im Groß und Möglichkeit Toppsegel für Leichtwind. Der Mast steht offenbar im Übergang vorderes/mittleres Drittel, was ordentlich Segelfläche in der Fock möglich macht; ein langer kluiverbaum bedeutet eine erhebliche Trimmvariation. Dazu große Kennterstabilität durch eine große Schiffsbreite, bzw. einen flachen Boden bzw. geringen Tiefgang ermöglichte? Die linksseitigen 3 Fischer haben eine unterschiedlich kräftige Saling, zierliche Masten mit Backstaken. Allerdings kein Seitenschwert.Die 3 auf der re Seite haben kräftigere Backstagen und Masten einschließlich des Klüverbaums.
HOTSPUR Austernfischer ca.1860 gebaut auf der Wyker Werft , Vorfischer bzw.
Schipper Rulof Wilhelm Peters 1834-1911
Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Kielschiff. Beiboote sind (deswegen ?) auf allen Bildern mitgeführt. Klau- und Piekfall laufen über 3 Taljen, so daß das große Gaffelsegel mit einer Deckshand allein gesetzt werden konnte, das mit Mastringen bzw hölzernen Rackbanden angeschlagen war. Fester Kluiver ohne Baum-Fall.
Der junge Rulof Peters war als Goldgräber in Australien offenbar so erfolgreich, daß er ein Fischerfahrzeug und schließlich 1868 auf der Wyker Werft einen ca 12m gaffelgetacklten Austernfischer bauen lassen konnte: Hotspur hieß der Segler, wie der Großsegler, der ihn glücklich von Australien heim gebracht hatte. 1863 wurde er zum Vorfischer ernannt, und in Nieblum/Föhr mit einer Urkunde offiziell vereidigt.
Sein Logbuch (Tagebuch) ist eins der wenigen schriftlichen sehr detailierten Quellen über das Fangrevier, Strandungen dörfliche- und politische Ereignisse auch über den österreich/preussisch - dänischen Krieg, und über die distanziert unabhängig neutrale eher dänenfreundliche Haltung vieler Amrumer. Die deutschen Soldaten beschreibt Rulof als Besatzung. Sein Bruder war Koijenmann und Fischer. Cornelius führte ebenfalls ein ausführliches logbuchartiges Tagebuch.
Austernfischer unter Vollzeug mit Gaffeltopp.
Die Besegelung spricht für sehr gute Segeleigenschaften und paßt sowohl zu den exorbitanten Frachtraten bzw Muschelladungen und auch der Größe des Fang-Revieres von Fanö über Eidum bis in die Hever (Südfall), die sich im Logbuch von Rulof W. Peters finden
(auf friesisch rulou ausgesprochen, mit rollendem rrrrrrrrrr wie bei cecilia bartolie).
Rulof W. Peters wurde daneben aktenkundig erwähnt anläßlich eines gerichtsnotorischen Streits um dem Bergelohn der norwegischen Bark ROMA, die im Februar 1894 leckgeschlagen, von der Manschaft verlassen , mit schlagenden zerfetzten Segeln südwestlich vor Amrum treibend (hoher Bergelohn!),vom Leuchtturmwärter aus gesichtet wurde. Als erster vom steenooder Tonnenleger ANNA unter Gerret Conrad Ricklefs auf hoher See geborgen, erreichte auch Rulof mit seiner HOTSPUR den Havaristen und half mit 5 Mann lenz zu pumpen und beim Notriggen der ROMA. Sie beschlossen den Havaristen nicht zur Wittdüner Reede sondern nach Hamburg zu segeln, um sich vom wenig beliebten aber sehr erfolgreichen wittdüner Strandvogt und Berger Volkert Martin Quedens fern zu halten, der sich dann aber trotzdem mit großer Dreistigkeit (mit dem wittdüner Rettungsboot!) gegen den Widerstand der Berger mit Gewalt Zugang zum Havaristen verschafte und, nach den Gerichtsakten zu urteilen, den Steuermann auf den Hinterkopf schlug, um eine Kursänderung in sein Strandrevier nach Wittdün zu erzwingen (was auch damals von jedem ordentlichen Seeamt der Welt als Piraterie zu harter Bestrafung hätte führen müssen). Das Hamburger Seeamt schanzte jedoch unverständlicher weise V.M.Quedens ein Zehntel des Bergelohn zu, was zu Protesten selbst innerhalb der preußischen Ämter führte, und die Abneigung der seefahrenden Inselfiesen gegenüber den deutschen Obrigkeiten bestärkt haben dürfte?
Die Austernfischerei ernährte von Oktober bis Mai, d.h. über winter, wenn die Handelsfahrer zuhause waren, jahrzehntelang einige Familien. Erst wer einmal im Herbst-Winter-Frühjahr in dem Revier unterwegs war, weiss was das für Segelbedingungen waren!
Schipper Gerret Jacob Matzen 1821-1899 aus Süddorf/Amrum
war der erste private Eigner des zuvor dänischen auf Amrum -Schmaltiefe- stationierten Zollkreuzers No. 5,
auf dem er als beamteter dänischer Schipper - KreuzZollkontrolleur- fuhr.
Nach Übernahme Schleswigs durch die Preußen hatte er das Schiff als marode beschrieben und so günstig ersteigert, renoviert und dann unter dem ironischen Namen TREUE gefahren.
Gerret und seine Frau Tadje stehen in Leo,s Stammbaum;
Er wird im Logbuch von Rulow als Austerntransporter vielfach erwähnt.
Die Fliese stammt aus Leo s Feder.
Heute fährt das prächtig renovierte Schiff als RIGMOR von GLÜCKSTADT wieder regelmäßig in den Sommerferien mit Tagesgästen von Wittdün in die Norderaue und manchmal auch ins Schmaltief (alte Zollgrenze).
Altarbild in der kleinen Wittdüner Kirche. Bislang erstaunlicherweise immer noch nicht touristisch vermarktet. Kein Badegast erfährt die unglaubliche Geschichte des in der Rütergat-Brandung gestrandeten harburger Dampfer ALBIS aus 1922. Der Wittdüner Retter HERRMANN FREESE erreichte den Haveristen als Erster. 9 Mann der 18köpfigen Besatzung konnten abgeborgen werden. Dann mußte der Retter wegen schwerer See beidrehen. Vormann Carl Quedens, der die ALBIS geentert hatte, mußte an Bord des sinkenden Havaristen bleiben. Erst am folgenden Tag konnte er , wie die übrige Besatzung, vom Norddorfer Retter PICKER, nach todesmutiger Fahrt im Orkan von der eben noch nicht überspültem Brücke der ALBIS über Stag und Want der PICKER abgeborgen werden. Allein der norddorfer Vormann Gerret Peters erhielt die Rettungsmedallie der DGzRS. Carl Quedens hingegen wurde jedoch nicht bedacht (Bergungsabsichten?).
Der Retter PICKER re hatte ein Gaffelgroß (keine Nationale am Stock!), bei Schlechtwetter wurde gerudert.
ca 1890 Hallig Watt?, Krabben-Fischer (fries porrn.), u.a. Frauen barfuß im Watt in friesischer Tracht, wie meine Oma I.B.A. Jannen sie noch täglich getragen hat. Vermutlich Halligwatt, jedenfalls ist auf Amrum kein Gliebfischen bekannt gewesen? Eins der wenigen Dokumente dafür, daß zumindest die jungen Frauen auch beim Fischen mehr als nur geholfen haben. Mit den großen Ketchern bzw Schiebenetzen genannt GLIEB wurden bei NW Krabben aus den Prielen geholt, natürlich nur für den eigenen Tisch. In einem Austernfischer Logbuch findet sich auch ein Frauenname als Manschaftsmitglied. Der frei mit laufende Hund am rechten Bildrand hätte heute möglicherweise, da wir zu Deutschland gehören, ein Gerichtsverfahren (Zone 1) zu Folge. Heute graben etwa 300 Kutter der Wattenmeere 250 milliarden Krabben/ano mitsammt der Fischbrut aus dem Wattengrund, solange noch was nach ist. Ihre Maschinen verbrauchen 35l diesel/std, müssen dafür 3tons krabben/woche fangen. Als Kinder konnten wir an der Odde Schollen noch mit den Füßen treten; heute ist alles leer gefegt.
Foto aus den Beständen meines Großvaters J.S.Jannen. Am Stand der Sonne erkennt man einen Blick nach Westen. Die Gaffelgetakelten Fahrzeuge segeln eindeutig vor dem westlichen Kniepsand, vermutlich in Höhe des Norddorfer Strandes (Kniephafen). Draußen erkennt man eine Bank, so daß Sylt nicht in Frage kommt, dazu ist die Welle auch zu lang. Möglicherweise Muschelfischer. Von historischen Plezierfahrzeugen dieser Größe hab ich auf Amrum nie gehört.
Wyker Werft mit Slipanlage und mit einer kleinen Jolle im Vordergrund
Die eigentliche Werft befand sich am Sandwall, etwa am heutigen Kurhaus-Hotel
Ein Teil der Seite wurde gelöscht, ist als Buch erhältlich unter : buch JOHANNA VON AMRUM
Die Revierbeschreibungen sind erhalten
quedens.de/buecher/amrum/773/johanna-von-amrum-willem-ruempler
Stader Tageblatt vom 30.12.25 verfasst von Lena Stehr zum Buch JOHANNA VON AMRUM
Willem Ruempler, ein flotter friesischer Freigeist ist Segler, Radiologe im Ruhestand und Buchautor - Er schreibt über sich und seine großen Lieben. Jahrzehntelang war Wilhelm Ruempler Leitender Radiologe der Klinik Dr. Han cken. Ein Nordfriese mit vie len Leidenschaften und einer kriminellen Vergangenheit. Behutsam streicht Wilhelm Ruempler - genannt Willem über den zwölf Meter langen Mast, der in der großen Boots halle in Stade-Abbenfleth liegt. Das gute Stück aus glänzendem Holz gehört zu einer seiner ganz großen Lieben: dem Plattboden schiff Johanna von Amrum. Die gute Dame wird gerade für die nächste Saison flottgemacht. Flott ist ein gutes Stichwort. Auch Willem Ruempler schwimmt mit knapp 80 Jahren noch obenauf, ist munter und lebensfroh - flott eben. Erst vor etwa drei Jahren hängte er sei nen Job als Leitender Radiologe der Kernspintomografie in der Stader Klinik Dr. Hancken an den Nagel. Noch heute besuchen ihn ehemalige Patienten und bitten ihn um Rat. 1982 stellte Gerd Hancken den gebürtigen Nordfriesen ein. Ohne Vertrag, einfach per Handschlag. Trotz seiner kriminellen Vorgeschich te. Um die und vieles andere geht es in dem frisch veröffent lichten Buch von Willem Ruem pler. „Johanna von Amrum - ei ne Amrumer Geschichte“ er zählt von Ruemplers Heimatin sel, enthält viel Persönliches, skizziert seinen beruflichen Werdegang und beschreibt den Umbau der Johanna von einem Schiff aus Stahl zu einem Schmuckstück aus Holz. Verbindung in die Hausbesetzerszene Der Leser erfährt, wie der links radikale Willem Ruempler An fang der 1970er Jahre mit der Hamburger Hausbesetzerszene in der Ekhofstraße in Kontakt kommt, zu der spätere RAF Sympathisanten wie Susanne Albrecht und Karl-Heinz Dellwo gehörten. „Mit denen hatte ich nie was zu tun, im Knast bin ich aber trotzdem gelandet“, sagt Willem Ruempler. Als er Zigaretten ho Wilhelm Ruempler auf dem Meer mit seinem Segelschiff Johanna von Amrum - natürlich unter Amrumer Flagge. Foto: Ruempler len wollte - „Ernte 23, orangefar bene Packung für 2 Mark“ - stell te er sich einigen Polizisten in den Weg, die ein besetztes Hochhaus räumen wollten. Er gebnis: zwei Tage Knast und Be rufsverbot in Hamburg. aufwuchs, wie er heimlich se geln lernte und dass er bis zur Einschulung nur Friesisch hof in Stade. Beim Sanieren des ehemaligen Fachwerkhauses hat Willem Ruempler absicht lich optische Brüche in die Klin kerfassade gebaut. Geschrieben hat Willem Ruempler das Buch aber nicht nur, um seine eigene Geschichte zu erzählen. „Eigentlich ist das Buch eine Liebeserklärung an meine Mutter. Sie war eine stol ze, hübsche und rebellische Frau, die sich mit den Nazis an legte und mir alle Freiheit ließ“, sagt der Segel-Enthusiast mit dem Stoppelbart und der blauen Fischermütze. Im Buch beschreibt er das Le ben auf Amrum in der Nach kriegszeit, beleuchtet das Leben seiner Vorfahren am Watten meer und baut immer wieder friesische Wörter und Redewen dungen ein. Willem Ruempler erzählt au ßerdem, wie frei er auf Amrum Seitdem sind die beiden un zertrennlich - zumindest fast. Willem Ruempler liebt es näm lich, alleine auf dem Meer un terwegs zu sein. Er redet dann mit seinem Schiff, liest oder hört laut Musik - von Johann Sebasti an Bach bis Led Zeppelin. sprach. Wie er in selbst gebau ten Hütten aus Strandholz haus te, für seine Oma Möweneier sammelte und Schollen fing. Er berichtet auch von einer Ro manze mit einer ehemaligen Gangsterbraut, die auf Amrum strandete und die eine erfolgrei che Geschäftsfrau in Südfrank reich wurde. Nachdem ihr der Friesenjunge das Lesen und Schreiben beigebracht hatte. Die unangefochtene weibli che Hauptrolle in Willem Ruem plers Buch und in seinem Her zen spielt aber Leonore Johanna aus Wittdün. „Meine Freundin und Frau, mit der ich drei Kin der und fünf Enkel habe“, sagt Willem Ruempler und seine hel len Augen leuchten hinter der runden Brille. Gerade einmal 23 war er, als er die damals 21-Jäh rige kennenlernte - natürlich auf Amrum. Wenn er nicht aufs Meer kann, arbeitet er an seiner Jo hanna. Das 11,11 Meter lange Segelschiff bestand einst kom plett aus Stahl. Innerhalb von 20 Jahren hat Willem Ruempler es mit Holz verkleidet und ausge baut. Auch das wird detailliert im Buch beschrieben. Genau wie viele Havarien, die der See bär mit dem Lausbubenlächeln mit Johanna schon erlebt und überstanden hat. Optische Brüche in der Klinkerfassade Dass Willem Ruempler ein frie sischer Freigeist ist, der nicht nur Schiffe flottmachen kann, zeigt sich an seinem alten Apfel Für einen deutschen Maurer wohl eine Todsünde. Unvorein genommenen Menschen hinge gen könnten diese Gesetzesbrü che großen Spaß machen, meint Willem Ruempler, lacht und nippt an seinem Friesentee. Der wärmt ihn beim Arbeiten in der kalten Bootshalle. Er muss sich sputen. Bis zur nächs ten Saison muss die Johanna wieder flott sein. Damit sie mit ihm zurück nach Amrum segeln kann - zu seiner großen Liebe mitten im Wattenmeer. wDas Buch „Johanna von Am rum - Eine Amrumer Geschich te“ ist im Jens Quedens Verlag erschienen und für 29,50 Euro im Buchhandel erhältlich. Sig nierte Ausgaben können direkt beim Verlag bestellt werden.
Buch Johanna von Amrum
Buchkritik von Arved Fuchs, Polarforscher und Autor vieler Bücher
Ich hatte Dir versprochen eine Rückmeldung zu Deinem Buch zu geben. Das hat etwas länger gedauert, möchte ich hiermit tun. Du erwartest von mir sicherlich keinen Lobgesang sondern eine sachliche
Betrachtung. Als jemand der selbst schreibt, bin ich mehr an konstruktiver Kritik interessiert als an Lobhudelei. Aber es gibt nicht viel zu kritisieren.
Ich habe das Buch gerne gelesen! Es ist im Grunde geenommen eine Biografie die tiefe Einblickje in die Geschichte Amrums und natürlich Deinen eigenen Werdegang erlaubt. Biografien können
langeweilig werden - das ist hier ganz sicher nicht der Fall. Du spielst Dich nicht in den Vordergrund sondern die unterschiedlichen Erzählstränge verlaufen parallel zu Deinem Lebensweg. Es ist
auch nicht geschönt. Wichtig (besonders bei dem aktuell bundesweit wachsenden AFD Zuspruch), dass die NS Zeit Raum findet. Das Denunziantentum, das Ausblenden der Greuel, und das fehlende
Aufarbeiten der NS Zeit, bzw. das ungeschorene Davonkommen einiger Hardcore Nazis ist ja kein inselspezifisches Problem sondern ein bundesweites. In dem Zusammernhang finde ich es auch gut,
dass Du Namen nennst. In einem so begrenzten Lebensraum wie einer Insel, wo irgendwie jeder jeden kennt, scheint mit das Problem von besonderer Tragweite zu sein. Ich selbst hatte in der Schule
Lehrer die ganz eindeutig linientreue Nazis waren. Eine Ausspruch eines Lehrers ist mir besonders gut im Ohr geblieben:" Kinder müssen erst einmal gebrochen und dann wieder aufgebaut
werden" Das war mit mir und dem liberalen Elternhaus in dem ich aufgewachsen bin, zum Glück nicht zu machen. Deshalb musste ich die Schule wechseln und habe so manches Gefechtr bestehen
müssen. Hat mich geprägt.Die Liebe und Achtung zu Deiner Mutter, die Dich hat machen lassen, wird sehr deutlich.
Meine Großeltern lebten auf Sylt, mein Großvater (Alfred Koch) ist nach dem Krieg nach Westerland gezogen um dort die Inselbahn wieder aufzubauen. Der Unternehmer hieß Ruy Prahl. Ich bin daher
als Kind ständig auf Sylt gewesen und habe dort auch zeitweise die Grundschule besucht. Ich habe in der Nordsee schwimmen gelernt und liebte den Blick über das unverbaute Meer bis zum Horizont.
Damals wurde der Grundstein für meine Seefahrtskarriere gelegt. Aber ich habe mich noch nie soviel prügeln müssen wir damals, weil ich der zugereiste Festländer war, der irgendwie
nicht dorthin gehörte. Ich habe trotzdem Freunde gefunden. Ich sage das nur, um deutlich zu machen, dass ich Deine vermutlich sehr ähnlichen Erfahrung in umgekehrter Richtung mit dem Internat auf
dem Festland gut nachvollziehen kann.
Karl Kirchheiss war sicher ein super Seemann - aber leider auch den Nazis sehr verbunden.
Anrührend fand ich die Kapitel mit den ersten Liebschaften, Freundinnen - wie auch immer. Es spiegelt die unbekümmerte, freie Jugend wieder, in der man irgendwie auch Eigenverantwortung und
Respekt vor dem anderen gelernt hat. Heute werden Kinder meiner Meinung nach überbehütet, früh in Kitas untergebracht und in jeder Lebensphase im übertragenden Sinn "an die Hand genommen". Wenn
ich früher auf einen hohen Baum geklettert bin (macht heute kaum ein Kind), dann wusste ich sehr genau, dass ich aufpassen musste weil ich sonst in die Tiefe stürzen würde. Diese
Eigenverantwortung habe ich auf meinen späteren Reisen stets verinnerlicht.
Gewünscht hätte ich mir mehr über den Werdegang/Verbleib dieser frühen Liebenschaften zu erfahren. Sie verschwinden mir ein wenig zu abrupt.
Zur Johanna von Amrum: Ich bin ein alter Schiffsnarr - so wie Du auch. Daher kann ich Deine Intention gut verstehen und habe die Kapitel entsprechendfe interessiert gelesen.
Mit ein wenig Distanz betrachtet, frage ich mich jedeoch, ob diese Kapitel den nicht so schiffsafinen Leser etwas überfordert. Das sind sehr viel technische Aspekte enthalten, vielleicht
ein wenig zu viel. Die Reiseerlebniss werden die Leser glaube ich eher in den Bann ziehen.
Sprachlich gibt es eine paar Hakeleien. Ich würde das Buch vielleicht vor der neuen Auflage nochmal lektorieren lassen, vielelicht auch ein paar Kapitelübergänge angleichen.
Ansonsten ein wirklich schönes und gelungenes Buch! Dem wünsche ich den gebührenden Erfolg.
Nur zu Deiner Info: Wir werden dieses Jahr wohl wieder Richtrung Grönland segeln -bevor der Verrückte in Washington einen Riegel davor schiebt.
Herzliche Grüße auch an Deine Leonore
Arved
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