KELDING LO unter FÄNÖ -
blind endender Hauptpriel mitten im nördlichsten Teil des dänischen Wattenmeer.
JOHANNA hatte ich hier nachts um 23oo
- 3 std vor HW- auf Schiet gesetzt. Am nächsten Morgen mußte ich dann zu Fuß die Wasserscheide suchen, da die "Kartentonne" nicht mehr existierte. Die Dänen haben mir nicht glauben wollen, daß ich über KELDING LO nach Nordby gefahren bin.
3 Dinge muß man wissen, wenn man ins dänische Watt fährt.
ERSTENS
Die aktuelle amtliche Seekarte ist nicht mehr brauchbar. Selbst große Priele auf der aktuellen Karte vom Mai 2008 sind völlig versandet.
Die dort eingezeichneten Tonnen sucht man vergebens.
ZWEITENS
Die Ursache hierfür: totale Einsamkeit. Niemand segelt hier mehr, so daß die Dänen keine Notwendigkeit für aktualisierte Seekarten sehen.
DRITTENS
geringer Tidenhub - unter Fänö nur noch ca 1,5m.
Als ich im Mai 2008 ins Fäno-watt gesegelt bin, hab ich 3 Tage kein anderes Segelschiff zu Gesicht bekommen.
Die Seehunde ließen sich nicht durch JOHANNA stören, als hätten sie hier noch nie ein Segelschiff, geschweige denn ein Plattboden gesehen. Man konnte auf 10m rannkommen. Später erzählte mir Bjarne Kiholm, der letzte Seehundjäger - bis 1977 durften Seehunde geschossen werden - daß er jetzt mit den Seehunden schwimmen gehen kann, was ihm großen Spaß macht.
Auf der aktuellen Seekarte findet sich eine Durchfahrtshöhenangabe von 6,5m unter den Strommasten der Überland-bzw. überwasserstromleitung von Esbjerg nach Fänö, die mitten durchs Watt führt. Obwohl dies Maß sicher viel zu niedrig angezeigt worden war, hab ich mich mit 14m Masttophöhe nicht getraut, da einfach durch zu segeln. Bin dann im 7 m tiefem Fahrwasser vor Anker gegangen und hab den Mast gelegt und dann mit gestreckem Mast etwa 2 Meilen weiter in den tidenunabhängigen zugänglichen Hafen von Nordby-FÄNÖ gejockelt. Worauf mich Niels Brinch im Nordbyhafen an der langen einsamen Mole mit großen Augen ansah und erklärte, daß ich selbst mit 18m noch zurechtkommen würde. Wir haben dann aber trotz mehrfacher Nachfragen des benachbarten landschaftsversauenden Kraftwerks in Esbjerg keine konkrete Höhenangabe bekommen.
Während des Sommertörns, 2 Monate später, sind wir dann alle bei HW erhobenen Hauptes unter den Kabeln durchgesegelt, REBEKKA voraus.
SÖNDERHO an der Südspitze von FÄNÖ
"Ö" bedeutet im übrigen dänisch INSEL
Jani Maus- schwärmte Pfingsten in der BLAUEN MAUS ( Wittdün-Amrum) von Sönderhö:
"Da mußt du unbedingt hin!" Auf die Gerüchte von der Versandung des zuführenden Galgerevet meinte er nur, daß er selber vor 4 Wochen gerade eben noch aufrecht durch diesen Priel zu Fuß gelaufen sei.
Von Sönderho erzählen die alten Amrumer viele Geschichten. Einst war hier die Größte Hochseeflotte der westlichen Nordsee beheimatet. Heute alles verweht.
Heinz Deymann hat mit seinem Schokker REGINA die Einfahrt in den verwunschesten Hafenpriel von Sönderho vergeblich gesucht: Er lief bei Springhochwasser direkt an einer Pricke auf Schiet. Am nächsten Morgen kam ein Bauer mit dem Trecker ins Watt gefahren, legte mit Kettersäge die Pricke um und pflanzte sie 100m querab an den wahren Wasserlauf ein. Danach fuhr er zum Schokker und fragte Heinz, ob er hier seinen Sommerurlaub verbringen wolle, weil er frühestens in 4 Wochen wieder frei käme. Worauf Heinz 3 Tage mit seiner Plattschaufel einen Ausweg graben mußte.
Robert Peel (tel: 0045 75164198) will sich um die Sönderho-Zufahrt kümmern. 2009 werden wir nachgucken.
Fänö-Südspitze, Blickrichtung Süden, Niedrigwasser, weisse harte Sände, dazwischen die Sönderho- zufahrt. Man findet die selbe blau und gelb gepunktete Vegetation wie auf Amrum. Mit dem Klapprad 14 km von Nordby 40 min strampeln, auf einem geteertem Fahrradweg, parallel zur leider stark befahrenen Autostrasse.
SÖNDERHO SüdostSpitze von Fänö, ein Kleinood an der Nordseeküste.
Hier wird kein moderner Scheiß gebaut.
Die Bürgermeister oder die BauAusSchußMitglieder aller deutschen Küstengemeinden sollten sich hier mal umsehen.
Die alten Amrumer erzählen sich viele Geschichten über die Rivalitäten der Schipper von Sönderho und Nordby.
1870 hatte Fänö die größte dänische Handels-Flotte außerhalb von Kopenhagen.
Die alten Amrumer erzählen von einer selbst für amrumer Nord-Süd-Konflikt erfahrenen ungewöhnlich tiefen Feindschaft der beiden Fänö-Inselhäfen bzw ihrer Kapitäne. So von einem Zusammentreffen zweier Nordby bzw Sönderho Klipper in der Südsee, grußlos und ohne Flaggen-dippen.
NORDBY, Fänö. Heimathafen der REBEKKA af FÄNÖ. Der Hafen ist im Gegensatz zum versandeten Südhafen von Sönderho tidenunabhängig erreichbar. Insbesondere bei stürmischen westlichen Winden liegt man hier sehr geschützt. Ab 2009 soll es an der Ostmole auch Wasser und Strom geben, sonst im Jachthafen verkrijgbar.
Fänö hat landschaftlich und früher auch familiär viele Ähnlichkeiten und Beziehungen zu Amrum, hat allerdings im Gegensatz zu Amrum eine bedeutende historische Großschiffahrs-Werft Tradition - eindrucksvoll und liebevoll im Marine Museum direkt am Kai ausgestellt.
Man kann problemlos eine Woche einplanen, um die Insel zu erkunden.
Ich hatte als Amrumer gleich am ersten Tag die große Ehre, einen Übungsabend des Shantychor zu hören. Neben der Pflege des letzten fahrenden hölzernen Ewer spielt der Chor hier nicht nur im gesellschaftlichem Leben eine große Rolle. Kein Rum-verschnitt. Besonders Stolz sind sie auf eine inseleigne Brauerei, meines Wissens einmalig an der ganzen friesischen Nordzeeküste. Trotzdem war nach 3tagen Ausflugsegeltörn 5 Kisten Bier und einiges am länger haltbarem Spirituosen-Vorrat aus meiner Bilge vernichtet. Einmal habe ich es gewagt, morgens um 10°° Mineralwasser anzubieten, worauf mit Entsätzen zurückgefragt wurde: "Willst du uns etwa vergiften?" Wie in so manchen Häfen, wo die Männer gerne mal einen Schnaps trinken, sorgen die Frauen bestens für Haus und Hof:
Auch in den hohen Breitengraden findet man viele geschützte farbenprächtige Blumengärten.
Kleine gedrungene flache größtenteils noch reetgedeckte ehemalige Fischerkaten in Nordby direkt am Kai.
Dicht am Nordhafen findet man ein kleines eindrucksvolles Heimatmuseum. Außerdem bietet Fänö im Sommer viele kulturelle Veranstalltungen und hat im Übrigen eine eigene Brauerei.
Der lokale Shanty Kor Fänö STORK EJLAENDERS, dessen Ehrenmitglied ich 2008 wurde, hat hier großes Ansehen und hatte schon Einladungen nach Schotland.
Everten REBEKKA AF FÄNÖ
der älteste hölzerne Besan-Ewer der Nordsee.
1921 in Nordby/Fänö für den Warentransport zum Festland nach Esbjerg gebaut.
Liegt heute wieder an der Nordby-Kaje.
1994 renoviert und ab 1996 wieder in Fahrt.
2003 neue Maschine
Nicht nur früh morgens: TOTALE Einsamkeit, hohe harte Bänke, kaum Klei, keine Wattwanderer; Bauern fahren unbekümmert mit ihrenTraktoren ins Watt an ihre Fischgründe, keine Verbotsschilder weit und breit.
Allerdings auch bei Schietwetter kaum Seezeichen.
Fänö-Watt, wärmende Morgensonne, klare Frühjahrsluft, das erste auflaufende Wasser aus dem Knudyp.
Hier bin ich nachts um 200 reingefahren, treiben lassen bis ich auf schiet saß. Am nächsten Tag zu Fuß die nicht bezeichnete Wasserscheide gesucht und markiert. Die Nordydänen wollten mir nicht glauben, dort fahren zu können.
Der Seehund liegt auf Grund von KELDIND LO
Dahinter PENDERSAND
Im Hintergrund sieht man die Südspitze von Fänö.
Ein Blick, der auch für die Dänen einmalig ist
da sie seit Jahrzehnten nicht mehr ins Watt fahren
Nördlich von Fänö bzw des Gradyp -fahrwasser nach Esbjerg- liegt die HO BUGT unter der Halbinsel Skallingen.
Optimales Revier für Plattboden.
Auf der Südlichen Seite (Sören Jessens Sand) bin ich allerdings nachts um 130 kurz vor Niedrigwasser auf Schiet gelaufen. Ich war nur 10m vom grünen Tonnenstrich abgewichen und hatte wie so häufig im Plattbodenleben dabei einen hohen festen Rücken voll getroffen und mußte dann 3 std die Brandung durchlaufen lassen. Der Ankergrund ist hier festes gutes Sandwatt, sodaß ich ohne fremde Hilfe morgens um 4 oo wieder freikam. Da JOHANNA einen 10cm quadratischen Stummelkiel hat, machte das der Dame keine Probleme. Jede fünfte Brandungswelle kippt einem jedoch eine halbe Tonne Wasser über das Schiff. Feine Risse im hölzernen Vorlukendach (war beim Mastlegen nicht ordentlich geschlossen) reichten, um alle Betten und Matratzen zu wässern. Dank der modernen Gummikleber schnell ab zu dichten.
Kammerslusen, Schleuse vor dem Ribe-Kanal. Wir (REGINA NORDSTRAND u.JOHANNA v.A.) füllten zu dritt die ganze breite der Schleuse aus. Anmelden kann man sich bei Bjarne Kiholm, der eine kleine Werft direkt an der Schleuse betreibt tel....75420795, bkiholm@c.dk ......... oder´direkt beim Schleusenwärter.................., innerhalb der Dienstzeit von 11 -17:00 ist das Schleusen kostenlos. Es gibt hier nur 2 Häuser, viele kleine Motorboote, Dusche und WC sowie ein großes Hotelrestaurant.
Hinter der Schleuse liegt man auch bei hartem Westwind wunderbar in Lee des Außendeiches, wie hier zu sehen.
Großereignis
3 Plattboden gleichzeitig in der historischen Schleuse
erbaut 1912
Von Kammerslusen kommt man über den stark mit Seegras bewachsenen Ribe-Kanal durch eine feste Autobrücke ( ca 3,50 m Durchfahrtshöhe) mit gelegtem Mast bis nach Ribe, vor 1300 Jahren von den Wikingern gegründet, das älteste Schatzkästchen Jütlands. Der mächtige Dom hat einen viereckigen Dom als Seezeichen. Der nur 16m hohe Turm ist platt, nachdem er 1534 seine Spitze verloren hat. Der Dom, älteste Kirche nördlich von Haitabu, wurde 1100-1250 gebaut. Er ist weithin über das platte Land zu sehen. Wunderschöne Backstein-Mauerwerke. Ribe datiert von 710 n Chisti Geb.. Feiert also 2010 den 1300 Geburtstag, wünscht sich dann den Hafen voller historischer Schiffe.
Der kleine Hafen von Ribe hat eine historische wunderschöne Kaimauer mit einem vorzüglichen Esslokal querab und mit einer außerordentlich hilfsbereiten hübschen blonden Wirtin, die mir sogleich eine kräftige elektrische Bohrmaschine mit passenden Stahlbohren anbot, was mich viel mehr als das große Empfangskomitee beeindruckte, und zwar das typisch dänische
"Brauchst du Hilfe? Hier ist das Werkzeug. Nimm,was du brauchst!"
Beim Mastlegen hatten wir einen Zepter des Handlaufes aus dem Kajütdach ausgebrochen. Landstrom und Wasser und Werkzeug gab s hier umsonst.
Seit vielen Jahrzenten endlich wieder 3 Gaffler in Ribe afgemeert. Vom Bürgermeister höchst persönlich und dem lokalen Shantychor mit Musik begrüßt.
Das steht hier in der lokalen Presse
über 2 Seiten beschrieben.
das ist der Komentar mit schwarzem Bleistift von Bjarne Kiholm in meine aktuelle Seekarte eingezeichnet. Das Gydelöbet - die südliche Zufahrt zum Fänöwatt - gibt es schon lange nicht mehr, ebensowenig wie die hier noch eingezeichneten Tonnen. Schon auf der googlemapskarte von 2007 ist es vollständig versandet abgebildet. Das Knudedyp ist bei westlichen Winden mit ablaufendem Wasser auslaufend nur bis 5 bft zu befahren. Es hat eine sehr unangenehme 3m Barre. Wir haben den von Bjarne mit Bleistift eingezeichneten Weg unter Flakstjärten bei halber Tide genommen. Heinz Deylmann hat sich mit seinem 65 cm Tiefgang Schokker bis zur Ansteuerung durchgequält und hart gekämpft, und meinte seine Norwegenfahrt war nix dagegen.
Ein Teil der Seite wurde gelöscht, ist als Buch erhältlich unter : buch JOHANNA VON AMRUM
Die Revierbeschreibungen sind erhalten
Stader Tageblatt vom 30.12.25 verfasst von Lena Stehr zum Buch JOHANNA VON AMRUM
Willem Ruempler, ein flotter friesischer Freigeist ist Segler, Radiologe im Ruhestand und Buchautor - Er schreibt über sich und seine großen Lieben. Jahrzehntelang war Wilhelm Ruempler Leitender Radiologe der Klinik Dr. Han cken. Ein Nordfriese mit vie len Leidenschaften und einer kriminellen Vergangenheit. Behutsam streicht Wilhelm Ruempler - genannt Willem über den zwölf Meter langen Mast, der in der großen Boots halle in Stade-Abbenfleth liegt. Das gute Stück aus glänzendem Holz gehört zu einer seiner ganz großen Lieben: dem Plattboden schiff Johanna von Amrum. Die gute Dame wird gerade für die nächste Saison flottgemacht. Flott ist ein gutes Stichwort. Auch Willem Ruempler schwimmt mit knapp 80 Jahren noch obenauf, ist munter und lebensfroh - flott eben. Erst vor etwa drei Jahren hängte er sei nen Job als Leitender Radiologe der Kernspintomografie in der Stader Klinik Dr. Hancken an den Nagel. Noch heute besuchen ihn ehemalige Patienten und bitten ihn um Rat. 1982 stellte Gerd Hancken den gebürtigen Nordfriesen ein. Ohne Vertrag, einfach per Handschlag. Trotz seiner kriminellen Vorgeschich te. Um die und vieles andere geht es in dem frisch veröffent lichten Buch von Willem Ruem pler. „Johanna von Amrum - ei ne Amrumer Geschichte“ er zählt von Ruemplers Heimatin sel, enthält viel Persönliches, skizziert seinen beruflichen Werdegang und beschreibt den Umbau der Johanna von einem Schiff aus Stahl zu einem Schmuckstück aus Holz. Verbindung in die Hausbesetzerszene Der Leser erfährt, wie der links radikale Willem Ruempler An fang der 1970er Jahre mit der Hamburger Hausbesetzerszene in der Ekhofstraße in Kontakt kommt, zu der spätere RAF Sympathisanten wie Susanne Albrecht und Karl-Heinz Dellwo gehörten. „Mit denen hatte ich nie was zu tun, im Knast bin ich aber trotzdem gelandet“, sagt Willem Ruempler. Als er Zigaretten ho Wilhelm Ruempler auf dem Meer mit seinem Segelschiff Johanna von Amrum - natürlich unter Amrumer Flagge. Foto: Ruempler len wollte - „Ernte 23, orangefar bene Packung für 2 Mark“ - stell te er sich einigen Polizisten in den Weg, die ein besetztes Hochhaus räumen wollten. Er gebnis: zwei Tage Knast und Be rufsverbot in Hamburg. aufwuchs, wie er heimlich se geln lernte und dass er bis zur Einschulung nur Friesisch hof in Stade. Beim Sanieren des ehemaligen Fachwerkhauses hat Willem Ruempler absicht lich optische Brüche in die Klin kerfassade gebaut. Geschrieben hat Willem Ruempler das Buch aber nicht nur, um seine eigene Geschichte zu erzählen. „Eigentlich ist das Buch eine Liebeserklärung an meine Mutter. Sie war eine stol ze, hübsche und rebellische Frau, die sich mit den Nazis an legte und mir alle Freiheit ließ“, sagt der Segel-Enthusiast mit dem Stoppelbart und der blauen Fischermütze. Im Buch beschreibt er das Le ben auf Amrum in der Nach kriegszeit, beleuchtet das Leben seiner Vorfahren am Watten meer und baut immer wieder friesische Wörter und Redewen dungen ein. Willem Ruempler erzählt au ßerdem, wie frei er auf Amrum Seitdem sind die beiden un zertrennlich - zumindest fast. Willem Ruempler liebt es näm lich, alleine auf dem Meer un terwegs zu sein. Er redet dann mit seinem Schiff, liest oder hört laut Musik - von Johann Sebasti an Bach bis Led Zeppelin. sprach. Wie er in selbst gebau ten Hütten aus Strandholz haus te, für seine Oma Möweneier sammelte und Schollen fing. Er berichtet auch von einer Ro manze mit einer ehemaligen Gangsterbraut, die auf Amrum strandete und die eine erfolgrei che Geschäftsfrau in Südfrank reich wurde. Nachdem ihr der Friesenjunge das Lesen und Schreiben beigebracht hatte. Die unangefochtene weibli che Hauptrolle in Willem Ruem plers Buch und in seinem Her zen spielt aber Leonore Johanna aus Wittdün. „Meine Freundin und Frau, mit der ich drei Kin der und fünf Enkel habe“, sagt Willem Ruempler und seine hel len Augen leuchten hinter der runden Brille. Gerade einmal 23 war er, als er die damals 21-Jäh rige kennenlernte - natürlich auf Amrum. Wenn er nicht aufs Meer kann, arbeitet er an seiner Jo hanna. Das 11,11 Meter lange Segelschiff bestand einst kom plett aus Stahl. Innerhalb von 20 Jahren hat Willem Ruempler es mit Holz verkleidet und ausge baut. Auch das wird detailliert im Buch beschrieben. Genau wie viele Havarien, die der See bär mit dem Lausbubenlächeln mit Johanna schon erlebt und überstanden hat. Optische Brüche in der Klinkerfassade Dass Willem Ruempler ein frie sischer Freigeist ist, der nicht nur Schiffe flottmachen kann, zeigt sich an seinem alten Apfel Für einen deutschen Maurer wohl eine Todsünde. Unvorein genommenen Menschen hinge gen könnten diese Gesetzesbrü che großen Spaß machen, meint Willem Ruempler, lacht und nippt an seinem Friesentee. Der wärmt ihn beim Arbeiten in der kalten Bootshalle. Er muss sich sputen. Bis zur nächs ten Saison muss die Johanna wieder flott sein. Damit sie mit ihm zurück nach Amrum segeln kann - zu seiner großen Liebe mitten im Wattenmeer. wDas Buch „Johanna von Am rum - Eine Amrumer Geschich te“ ist im Jens Quedens Verlag erschienen und für 29,50 Euro im Buchhandel erhältlich. Sig nierte Ausgaben können direkt beim Verlag bestellt werden.
Buch Johanna von Amrum
Buchkritik von Arved Fuchs, Polarforscher und Autor vieler Bücher
Ich hatte Dir versprochen eine Rückmeldung zu Deinem Buch zu geben. Das hat etwas länger gedauert, möchte ich hiermit tun. Du erwartest von mir sicherlich keinen Lobgesang sondern eine sachliche
Betrachtung. Als jemand der selbst schreibt, bin ich mehr an konstruktiver Kritik interessiert als an Lobhudelei. Aber es gibt nicht viel zu kritisieren.
Ich habe das Buch gerne gelesen! Es ist im Grunde geenommen eine Biografie die tiefe Einblickje in die Geschichte Amrums und natürlich Deinen eigenen Werdegang erlaubt. Biografien können
langeweilig werden - das ist hier ganz sicher nicht der Fall. Du spielst Dich nicht in den Vordergrund sondern die unterschiedlichen Erzählstränge verlaufen parallel zu Deinem Lebensweg. Es ist
auch nicht geschönt. Wichtig (besonders bei dem aktuell bundesweit wachsenden AFD Zuspruch), dass die NS Zeit Raum findet. Das Denunziantentum, das Ausblenden der Greuel, und das fehlende
Aufarbeiten der NS Zeit, bzw. das ungeschorene Davonkommen einiger Hardcore Nazis ist ja kein inselspezifisches Problem sondern ein bundesweites. In dem Zusammernhang finde ich es auch gut,
dass Du Namen nennst. In einem so begrenzten Lebensraum wie einer Insel, wo irgendwie jeder jeden kennt, scheint mit das Problem von besonderer Tragweite zu sein. Ich selbst hatte in der Schule
Lehrer die ganz eindeutig linientreue Nazis waren. Eine Ausspruch eines Lehrers ist mir besonders gut im Ohr geblieben:" Kinder müssen erst einmal gebrochen und dann wieder aufgebaut
werden" Das war mit mir und dem liberalen Elternhaus in dem ich aufgewachsen bin, zum Glück nicht zu machen. Deshalb musste ich die Schule wechseln und habe so manches Gefechtr bestehen
müssen. Hat mich geprägt.Die Liebe und Achtung zu Deiner Mutter, die Dich hat machen lassen, wird sehr deutlich.
Meine Großeltern lebten auf Sylt, mein Großvater (Alfred Koch) ist nach dem Krieg nach Westerland gezogen um dort die Inselbahn wieder aufzubauen. Der Unternehmer hieß Ruy Prahl. Ich bin daher
als Kind ständig auf Sylt gewesen und habe dort auch zeitweise die Grundschule besucht. Ich habe in der Nordsee schwimmen gelernt und liebte den Blick über das unverbaute Meer bis zum Horizont.
Damals wurde der Grundstein für meine Seefahrtskarriere gelegt. Aber ich habe mich noch nie soviel prügeln müssen wir damals, weil ich der zugereiste Festländer war, der irgendwie
nicht dorthin gehörte. Ich habe trotzdem Freunde gefunden. Ich sage das nur, um deutlich zu machen, dass ich Deine vermutlich sehr ähnlichen Erfahrung in umgekehrter Richtung mit dem Internat auf
dem Festland gut nachvollziehen kann.
Karl Kirchheiss war sicher ein super Seemann - aber leider auch den Nazis sehr verbunden.
Anrührend fand ich die Kapitel mit den ersten Liebschaften, Freundinnen - wie auch immer. Es spiegelt die unbekümmerte, freie Jugend wieder, in der man irgendwie auch Eigenverantwortung und
Respekt vor dem anderen gelernt hat. Heute werden Kinder meiner Meinung nach überbehütet, früh in Kitas untergebracht und in jeder Lebensphase im übertragenden Sinn "an die Hand genommen". Wenn
ich früher auf einen hohen Baum geklettert bin (macht heute kaum ein Kind), dann wusste ich sehr genau, dass ich aufpassen musste weil ich sonst in die Tiefe stürzen würde. Diese
Eigenverantwortung habe ich auf meinen späteren Reisen stets verinnerlicht.
Gewünscht hätte ich mir mehr über den Werdegang/Verbleib dieser frühen Liebenschaften zu erfahren. Sie verschwinden mir ein wenig zu abrupt.
Zur Johanna von Amrum: Ich bin ein alter Schiffsnarr - so wie Du auch. Daher kann ich Deine Intention gut verstehen und habe die Kapitel entsprechendfe interessiert gelesen.
Mit ein wenig Distanz betrachtet, frage ich mich jedeoch, ob diese Kapitel den nicht so schiffsafinen Leser etwas überfordert. Das sind sehr viel technische Aspekte enthalten, vielleicht
ein wenig zu viel. Die Reiseerlebniss werden die Leser glaube ich eher in den Bann ziehen.
Sprachlich gibt es eine paar Hakeleien. Ich würde das Buch vielleicht vor der neuen Auflage nochmal lektorieren lassen, vielelicht auch ein paar Kapitelübergänge angleichen.
Ansonsten ein wirklich schönes und gelungenes Buch! Dem wünsche ich den gebührenden Erfolg.
Nur zu Deiner Info: Wir werden dieses Jahr wohl wieder Richtrung Grönland segeln -bevor der Verrückte in Washington einen Riegel davor schiebt.
Herzliche Grüße auch an Deine Leonore
Arved
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