Hoogaars
JOHANNA v. AMRUM

SEGELN im dänischen Wattenmeer

KELDING LO unter FÄNÖ -

blind endender Hauptpriel mitten im nördlichsten Teil des dänischen Wattenmeer.

JOHANNA hatte ich hier nachts um 23oo

- 3 std vor HW- auf Schiet gesetzt. Am nächsten Morgen mußte ich dann zu Fuß die Wasserscheide suchen, da die "Kartentonne" nicht mehr existierte. Die Dänen haben mir nicht glauben wollen, daß ich über KELDING LO nach Nordby gefahren bin.

 

3 Dinge muß man wissen, wenn man ins dänische Watt fährt.

ERSTENS

Die aktuelle amtliche Seekarte ist nicht mehr brauchbar. Selbst große Priele auf der aktuellen Karte vom Mai 2008  sind völlig versandet.

Die dort eingezeichneten Tonnen sucht man vergebens.

 

ZWEITENS

Die Ursache hierfür: totale Einsamkeit. Niemand segelt hier mehr, so daß die Dänen keine Notwendigkeit für aktualisierte Seekarten sehen.


DRITTENS

geringer Tidenhub - unter Fänö nur noch ca 1,5m.

 

 

Als ich im Mai 2008 ins Fäno-watt gesegelt bin, hab ich 3 Tage kein anderes Segelschiff zu Gesicht bekommen.

Die Seehunde ließen sich nicht durch JOHANNA stören, als hätten sie hier noch nie ein Segelschiff, geschweige denn ein Plattboden gesehen. Man konnte auf 10m rannkommen. Später erzählte mir Bjarne Kiholm, der letzte Seehundjäger - bis 1977 durften Seehunde geschossen werden - daß er jetzt mit den Seehunden schwimmen gehen kann, was ihm großen Spaß macht.

 

Auf der aktuellen Seekarte findet sich eine Durchfahrtshöhenangabe von 6,5m unter den Strommasten der Überland-bzw. überwasserstromleitung von Esbjerg nach Fänö, die mitten durchs Watt führt.  Obwohl dies Maß sicher viel zu niedrig angezeigt worden war, hab ich mich mit 14m Masttophöhe nicht getraut, da einfach durch zu segeln. Bin dann im 7 m tiefem Fahrwasser vor Anker gegangen und hab den Mast gelegt und dann mit gestreckem Mast etwa 2 Meilen weiter in den tidenunabhängigen zugänglichen Hafen von Nordby-FÄNÖ gejockelt. Worauf mich Niels Brinch im Nordbyhafen an der langen einsamen Mole mit großen Augen ansah und erklärte, daß ich selbst mit 18m noch zurechtkommen würde. Wir haben dann aber trotz mehrfacher Nachfragen des benachbarten landschaftsversauenden Kraftwerks in Esbjerg keine konkrete Höhenangabe bekommen.

Während des Sommertörns, 2 Monate später, sind wir dann alle bei HW erhobenen Hauptes unter den Kabeln durchgesegelt, REBEKKA voraus.

 

SÖNDERHO an der Südspitze von FÄNÖ

 

"Ö" bedeutet im übrigen dänisch INSEL

Jani Maus- schwärmte Pfingsten in der BLAUEN MAUS ( Wittdün-Amrum) von Sönderhö:

"Da mußt du unbedingt hin!" Auf die Gerüchte von der Versandung des zuführenden Galgerevet meinte er nur, daß er selber vor 4 Wochen gerade eben noch aufrecht durch diesen Priel zu Fuß gelaufen sei.

Von Sönderho erzählen die alten Amrumer viele Geschichten. Einst war hier die Größte Hochseeflotte der westlichen Nordsee beheimatet. Heute alles verweht.

Heinz Deymann hat mit seinem Schokker REGINA die Einfahrt in den verwunschesten Hafenpriel von Sönderho vergeblich gesucht: Er lief bei Springhochwasser direkt an einer Pricke auf Schiet. Am nächsten Morgen kam ein Bauer mit dem Trecker ins Watt gefahren, legte mit Kettersäge die Pricke um und pflanzte sie 100m querab an den wahren Wasserlauf ein. Danach fuhr er zum Schokker und fragte Heinz, ob er hier seinen Sommerurlaub verbringen wolle, weil er frühestens in 4 Wochen wieder frei käme. Worauf Heinz 3 Tage mit seiner Plattschaufel einen Ausweg graben mußte.

Robert Peel (tel: 0045 75164198) will sich um die Sönderho-Zufahrt kümmern. 2009 werden wir nachgucken.

Fänö-Südspitze, Blickrichtung Süden, Niedrigwasser, weisse harte Sände, dazwischen die Sönderho- zufahrt. Man findet die selbe blau und gelb gepunktete Vegetation wie auf Amrum. Mit dem Klapprad 14 km von Nordby 40 min strampeln, auf einem geteertem Fahrradweg, parallel zur leider stark befahrenen  Autostrasse.

 

SÖNDERHO  SüdostSpitze von Fänö, ein Kleinood an der Nordseeküste.

Hier wird kein moderner Scheiß  gebaut.

Die Bürgermeister oder die BauAusSchußMitglieder aller deutschen Küstengemeinden sollten sich hier mal umsehen.

Die alten Amrumer erzählen sich viele Geschichten über die Rivalitäten der Schipper von Sönderho und Nordby.

1870 hatte Fänö die größte dänische Handels-Flotte außerhalb von Kopenhagen.

Die alten Amrumer erzählen von einer selbst für amrumer Nord-Süd-Konflikt erfahrenen ungewöhnlich tiefen Feindschaft der beiden Fänö-Inselhäfen bzw ihrer Kapitäne. So von einem Zusammentreffen zweier Nordby bzw Sönderho Klipper in der Südsee, grußlos und ohne Flaggen-dippen.

NORDBY, Fänö. Heimathafen der REBEKKA af FÄNÖ. Der Hafen ist im Gegensatz zum versandeten Südhafen von Sönderho tidenunabhängig erreichbar. Insbesondere bei stürmischen westlichen Winden liegt man hier sehr geschützt. Ab 2009 soll es an der Ostmole auch Wasser und Strom geben, sonst im Jachthafen verkrijgbar.

Fänö hat landschaftlich und früher auch familiär viele Ähnlichkeiten und Beziehungen zu Amrum, hat allerdings im Gegensatz zu Amrum eine bedeutende historische Großschiffahrs-Werft Tradition - eindrucksvoll und liebevoll im Marine Museum direkt am Kai ausgestellt.

 

 

Man kann problemlos eine Woche einplanen, um die Insel zu erkunden.

Ich hatte als Amrumer gleich am ersten Tag die große Ehre, einen Übungsabend des Shantychor zu hören. Neben der Pflege des letzten fahrenden hölzernen Ewer spielt der Chor hier nicht nur im gesellschaftlichem Leben eine große Rolle. Kein Rum-verschnitt. Besonders Stolz sind sie auf eine inseleigne Brauerei, meines Wissens einmalig an der ganzen friesischen Nordzeeküste. Trotzdem war nach 3tagen Ausflugsegeltörn 5 Kisten Bier und einiges am länger haltbarem Spirituosen-Vorrat aus meiner Bilge vernichtet. Einmal habe ich es gewagt, morgens um 10°° Mineralwasser anzubieten, worauf mit Entsätzen zurückgefragt wurde: "Willst du uns etwa vergiften?" Wie in so manchen Häfen, wo die Männer gerne mal einen Schnaps trinken, sorgen die Frauen bestens für Haus und Hof:

Auch in den hohen Breitengraden findet man viele geschützte farbenprächtige Blumengärten.

 

Kleine gedrungene flache größtenteils noch reetgedeckte ehemalige Fischerkaten in Nordby direkt am Kai.

Dicht am Nordhafen findet man ein kleines eindrucksvolles Heimatmuseum. Außerdem bietet Fänö im Sommer viele kulturelle Veranstalltungen und hat im Übrigen eine eigene Brauerei.

Der lokale Shanty Kor Fänö STORK EJLAENDERS, dessen Ehrenmitglied ich 2008 wurde, hat hier großes Ansehen und hatte schon Einladungen nach Schotland.

 

Everten REBEKKA AF FÄNÖ

der älteste hölzerne Besan-Ewer der Nordsee.

1921 in Nordby/Fänö für den Warentransport zum Festland nach Esbjerg gebaut.

Liegt heute wieder an der Nordby-Kaje.

1994 renoviert und ab 1996 wieder in Fahrt.

2003 neue Maschine

 

 

Nicht nur früh morgens: TOTALE Einsamkeit, hohe harte Bänke, kaum Klei,  keine  Wattwanderer; Bauern fahren unbekümmert mit ihrenTraktoren ins Watt an ihre Fischgründe, keine Verbotsschilder weit und breit.

Allerdings auch bei Schietwetter kaum Seezeichen.

Fänö-Watt, wärmende Morgensonne, klare Frühjahrsluft, das erste auflaufende Wasser aus dem Knudyp.

Hier bin ich nachts um 200 reingefahren, treiben lassen bis ich auf schiet saß. Am nächsten Tag zu Fuß die nicht bezeichnete Wasserscheide gesucht und markiert. Die Nordydänen wollten mir nicht glauben, dort fahren zu können.

 

 

 

 

 

Der Seehund liegt auf Grund von KELDIND LO

Dahinter PENDERSAND

Im Hintergrund sieht man die Südspitze von Fänö.

Ein Blick, der auch für die Dänen einmalig ist

da sie seit Jahrzehnten nicht mehr ins Watt fahren

 

 

 

Nördlich von Fänö bzw des Gradyp -fahrwasser nach Esbjerg- liegt die HO BUGT unter der Halbinsel Skallingen.

Optimales Revier für Plattboden.

Auf der Südlichen Seite (Sören Jessens Sand) bin ich allerdings nachts um 130  kurz vor Niedrigwasser auf Schiet gelaufen. Ich war nur 10m vom grünen Tonnenstrich abgewichen und hatte wie so häufig im Plattbodenleben dabei einen hohen festen Rücken voll getroffen und mußte dann 3 std die Brandung durchlaufen lassen. Der Ankergrund ist hier festes gutes Sandwatt, sodaß ich ohne fremde Hilfe morgens um 4 oo wieder freikam. Da JOHANNA einen 10cm quadratischen Stummelkiel hat, machte das der Dame keine Probleme. Jede fünfte Brandungswelle kippt einem jedoch eine halbe Tonne Wasser über das Schiff. Feine Risse im hölzernen Vorlukendach (war beim Mastlegen nicht ordentlich geschlossen) reichten, um alle Betten und Matratzen zu wässern. Dank der modernen Gummikleber schnell ab zu dichten.

 

Kammerslusen, Schleuse vor dem Ribe-Kanal. Wir (REGINA NORDSTRAND u.JOHANNA v.A.) füllten zu dritt die ganze breite der Schleuse aus. Anmelden kann man sich bei Bjarne Kiholm, der eine kleine Werft direkt an der Schleuse betreibt tel....75420795, bkiholm@c.dk ......... oder´direkt beim Schleusenwärter.................., innerhalb der Dienstzeit von 11 -17:00 ist das Schleusen kostenlos. Es gibt hier nur 2 Häuser, viele kleine Motorboote, Dusche und WC sowie ein großes Hotelrestaurant.

Hinter der Schleuse liegt man auch bei hartem Westwind wunderbar in Lee des Außendeiches, wie hier zu sehen.

 

 

 

Großereignis

3 Plattboden gleichzeitig in der historischen Schleuse

erbaut 1912

 

Von Kammerslusen kommt man über den stark mit Seegras bewachsenen Ribe-Kanal durch eine feste Autobrücke ( ca 3,50 m Durchfahrtshöhe) mit gelegtem Mast bis nach Ribe, vor 1300 Jahren von den Wikingern gegründet, das älteste Schatzkästchen Jütlands. Der mächtige Dom hat einen viereckigen Dom als Seezeichen. Der nur 16m hohe Turm ist platt, nachdem er 1534 seine Spitze verloren hat. Der Dom, älteste Kirche nördlich von Haitabu, wurde 1100-1250 gebaut. Er ist weithin über das platte Land zu sehen. Wunderschöne Backstein-Mauerwerke. Ribe datiert von 710 n Chisti Geb.. Feiert also 2010 den 1300 Geburtstag, wünscht sich dann den Hafen voller historischer Schiffe.

 

Der kleine Hafen von Ribe hat eine historische wunderschöne Kaimauer mit einem vorzüglichen Esslokal querab und mit einer außerordentlich hilfsbereiten hübschen blonden Wirtin, die mir sogleich eine kräftige elektrische Bohrmaschine mit passenden Stahlbohren anbot, was mich viel mehr als das große Empfangskomitee beeindruckte, und zwar das typisch dänische

"Brauchst du Hilfe? Hier ist das Werkzeug. Nimm,was du brauchst!

Beim Mastlegen hatten wir einen Zepter des Handlaufes aus dem Kajütdach ausgebrochen. Landstrom und Wasser und Werkzeug gab s hier umsonst.

 

 

 

 

 

 

Seit vielen Jahrzenten endlich wieder 3 Gaffler in Ribe afgemeert. Vom Bürgermeister höchst persönlich und dem lokalen Shantychor mit Musik begrüßt.

Das steht hier in der lokalen Presse

über 2 Seiten beschrieben.

das ist der Komentar mit schwarzem Bleistift von Bjarne Kiholm in meine aktuelle Seekarte eingezeichnet. Das Gydelöbet - die südliche Zufahrt zum Fänöwatt - gibt es schon lange nicht mehr, ebensowenig wie die hier noch eingezeichneten Tonnen. Schon auf der googlemapskarte von 2007 ist es vollständig versandet abgebildet. Das Knudedyp ist bei westlichen Winden mit ablaufendem Wasser auslaufend nur bis 5 bft zu befahren. Es hat eine sehr unangenehme 3m Barre. Wir haben den von Bjarne mit Bleistift eingezeichneten Weg unter Flakstjärten bei halber Tide genommen. Heinz Deylmann hat sich mit seinem 65 cm Tiefgang Schokker bis zur Ansteuerung durchgequält und hart gekämpft, und meinte seine Norwegenfahrt war nix dagegen.

Amrum-Fänö rechnen wir 12std. Ins dänische Watt fahre ich 1 std vor Hörnumhafen HW direkt unter dem Strand der Hörnumsüdspitze  (das heist ganz konkret mit 20m Abstand vom Strand) vom Vortrapptief nach Norden, wie bereits zu Jan Simons Zeiten. Bei westlichen Winden um 5bft sitzt man hier 1std lang mit 1-2 meilen Fahrt in der Kabbelsee, um dann mit 7-8 knoten in 3std an Sylt vorbei zu jagen, eigentlich zu schnell bzw 2 std zu früh, um zeitgerecht das auflafende Wasser im Gradyp zu kriegen.

 Hörnum-Hafen laufen wir nur im Notfall an. Bei westlichen Winden gibt es hier für ein Plattbodenschiff viele geschützte Ankerplätze, bis hoch ins Rantumwatt.

Zu Zeiten meines Großvaters Jan Simon Jannen war Hörnum unbewohnt und amrumer  Fischfang- u.Jagtrevier. Heute werden wir hier weggejagt, wenn wir nur Krähenbeeren plücken wollen. Sylt ist eben spezial. Auf friesisch: Es ist nichts mehr dran. Einstmal lebte hier der gleiche Menschenschlag.

Rantum hingegen ist ein kleiner verwunschener trockenfallender Watthafen, mit vielen freundlichen Menschen und im Übrigen sagenumwoben (Ekke Nekkepenn von Christian Peter Hansen).

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