PIEKFALL 148

 

 

 

Rezension von Heinz Vamos

 

 

 

 

 

JOHANNA von AMRUM

 

 

 

Willem Ruempler, über die  Segelszene hinaus bekannt, durch die 17 im NDR  gezeigte Filme von Manfred Schulz, hat nun, nachdem er bereits einige Beiträge im Internet zum Wattensegeln veröffentlichte, auch ein Buch geschrieben. Eine Biografie der besonderen Art.

 

 

 

Der Titel ist das Kürzel sein Leben. Der Untertitel: „Eine Amrumer Geschichte“ weist allerdings darauf hin, dass da mehr ist. Amrum weckt Assoziationen an sommerliche Badefreuden am kilometerbreiten großen Sand vor den Dünen.

 

Willem ist es gelungen, eine interessante, feinsinnige bis lyrische Schilderung seines Lebens auszubreiten. Unkonventionell im Aufbau  - viele erläuternde Abbildungen - etliche  davon die von seiner Frau Leonore aufwändig bemalten Fliesen („tegels“). Der Text wird immer wieder durch  friesische und holländische Begriffe ergänzt -  genau so, wie Willem spricht!

 

In Norddorf ist er großgeworden und hat den prägenden Teil seiner Jugend auf der Insel gelebt

 

Trotz der abgeschiedenen Lage, blieben die Menschen in der Vergangenheit auch dort nicht von den politischen Ereignissen verschont. Die Nazis deklarierten die nordfriesischen Frauen, gemäß ihrer weltfremden Ideologie, zu rassengerechten Germaninnen.

 

Auch seine Eltern hatten unter diesen lebens- und demokratiefeindlichen Ideen zu leiden. Seine Mutter konnte sich jedoch, mit ihrem selbstbewußten Gerechtigkeitssinn, über alle grundlosen Anschuldigungen hinwegsetzen. Ein Erbe, das auch Willem maßgeblich geprägt und geholfen hat!

 

 

 

Die kargen Böden der nordfriesischen Inseln ernährten früher nur eine begrenzte Anzahl Bewohner. Das Gros der Männer verdingte sich daher zum Walfang und verdienten als Seeleute ihr Geld. (U. a. kamen auch einige Kapitäne der berühmten Flying P Segler von den Inseln!)

 

Die nordfriesischen Eilande waren daher seit alter Zeit von Frauen dominiert.

 

 

 

Das Buch enthält mehrere große Liebesgeschichten: seine Familie, seine Insel, sein Boot und die zee. Er halte das Glück, daß seine Großmutter und seine Mutter - eine stolze selbstbewußte Friesin ihm als Kind alle Freiheiten ließen, die sich ein heutiges Stadtkind überhaupt nicht mehr vorstellen kann.

 

Immer wieder klingt seine Verbundenheit zu seiner Insel, Amrum, mit den auf ihr lebenden Menschen, an, die ihm diese Freiheiten ermöglichten. Aufgewachsen ist er im Nordteil, in Norddorfs dörflicher Struktur. Daneben gab es für ihn hauptsächlich die Dünen, den vorgelagerten großen Sand, den Kniep und natürlich die alles umgebende zee.

 

Dasdurch entwickelte sich seine selbstverständliche Naturverbundenheit und Individualität, die seine Persönlichkeit ausmacht.

 

 

 

Es macht Spass mit Willem in seine Huckleberry-Finn-artigen Jugendgeschichten einzutauchen. U. a. mit Mädchen, mit denen er segelte und Freiheiten in seiner paradiesischen Inselwelt in den von ihm illegal aus Treibholz gebauten Hukershöskes, in den Dünen erlebte. Mit ihnen entwickelte er fantasievolle Sternbilddeutungen und romantische Brandungsgeräusch-Vergleichen zur klassischer Musik.

 

Eine seiner weiteren großen Leidenschaften, ist die Musik von Johann Sebastian Bach! Sein Vater, der beruflich „auf dem Festland“ tätig war, hatte ihn bereits, 14 jährig, an das umfangreiche Werk dieses Komponisten herangeführt.

 

 

 

Als Norddorfer Jung spielte Wittdün für ihn keine Rolle. Das änderte sich erst, nachdem er Jahre später dort seine große Liebe fand: Die bildhübsche Friesin Leonore Johanna.

 

Die er dann auch heiratete. Sie ist bis auf den heutigen Tag der wichtigste Mensch in seinem Leben. Ihr hat er das Buch gewidmet! Sie erlernte in Hamburg die Plakatmalerei und konnte später, wie man im Buch sehen kann, immer wieder ihre kreativen Fertigkeiten bei der akribisch peniblen Fliesenbemalung unter Beweis stellen.

 

Sein Ausbildungsweg: Nach der Norddorfer Zwergschule, Internat In Hannover, anschließend Studium in Köln mit Fachwechsel zur Medizin. Nach dem Examen, Unbill in Hamburg.  Erst in Emden konnte er, nur dank Fürsprache, erste berufliche Erfahrungen sammeln. Vorher hatten er und seine Frau bereits ernsthafte Überlegungen angestellt, um in die Niederlande oder nach Dänemark auszuwandern!

 

Ungeachtet dessen blieb er auch damals schon seiner Liebe zur zee treu und segelte mit seiner Leo in den ostfriesischen Watten.

 

 

 

In Stade fand er dann seine berufliche Lebensstellung, In der Nähe, ließ er einen alten Apfelhof nach eigenen Ideen und Vorstellungen umbauen (Mauer ohne Wasserwaage!)

 

Natürlich stellte sich auch Nachwuchs ein. Das Trio  Sönke, Kaike und Gerrit

 

 

 

Zu guter Letzt, beschreibt er natürlich auch die andere, nach Leonore benannte Johanna von Amrum, ihr Schiff. Tochter Kaike hatte 14 jährig,1995 in Holland diesen traditionellen Schiffstyp entdeckte. Willems Kreativität und handwerkliches Geschick machten aus dem funktionalen Stahlbau in aufwändiger Winterarbeit ein nicht wieder zu erkennendes Schmuckstück. Deck und Aufbauten fachkundig mit Holz “verkleidet“.

 

Die JOHANNA wird ausführlich beschrieben, ihre Daten, ihr Konstrukteur und Werft, ihre Technik, die Handhabung dieser “Segelmaschine“, ihr Revier, die Watten, ihr Seeverhalten, bis zu den von ihm liebevoll selbsterdachten und gefertigten Details der Innengestaltung.

 

Johanna ist eine schnelle Hoogaars, daß sie auch sehr seefähig ist, beweisen die Reisen

 

nach Bornholm und Edinburgh!

 

Willem geht auch auf die Filosofi der holländischen Plattbodenfahrer ein. Die Beachtung von Wind und Welle, sowie auf „das hören, was das Boot sagt“, das ermöglicht die schnellsten und dabei sichere Fahrten!

 

Mittlerweile hat JOHANNA auch den Ritterschlag der niederländischen Plattbodenschiffe erhalten, den Eintrag ins  Stichting Stamboek, das Register der Ronde em Platbodemjachten.

 

 

 

Abschließend, klärt er nebenbei den Leser auf, warum er, entgegen dem deutschen Flaggenrecht, am liebsten die bunte Flagge Nordfrieslands am Heck zeigt.

 

Das hängt auch mit dem, ihm von seiner Mutter vorgelebten Freigeist zusammen.

 

 

 

Am Ende des Buches, versteht man die Anfangs gezeigten bunten Blumen. Sie stehen nicht nur für die Vielfalt des Eilandes, sondern symbolisieren auch die vielen unterschiedlichen Ereignisse und Geschehnisse, aus denen sich Willems Leben zusammensetzt! Eines ist klar, zwei starke Frauen haben ihn geleitet. Die Persönlichkeit seiner Mutter in Norddorf und im Süden seine intelligente Leonore Johanna. Sie sind seine beiden wichtigsten Lebensleuchttürme.

 

Dazwischen viel Amrum. Die kleine Insel im Wattenmeer, zu der  Willem - nach friesischem Brauch - immer wieder gern mit seiner JOHANNA von AMRUM zu seiner Johanna  auf Amrum zurückkehrt!

 

 

 

Das Buch ist berührend und lesenswert!