PIEKFALL 12/ 2025
Rezension
BUCH JOHANNA von AMRUM
Die Zuneigung zu seiner Insel, zu Leonore Johanna und zu seiner Hoogaars waren für Willem Ruempler der Anlass zu diesem Buch Unser langjähriges Redaktionsmitglied Heinz Valet schreibt dazu folgendes: Willem Ruempler, über die Gaf felszene hinaus bekannt durch die siebzehn im NDR gezeigten Fil Manfred Schulz bei seiner Arbeit me von Manfred Schulz, hat nun, nachdem er bereits in der Vergangen heit mehrfach im Internet Beiträge zum Wattensegeln veröff entlicht hat, auch ein Buch geschrieben. Bei dem Titel denkt man spontan an sein Schiff , die JOHANNA von AMRUM, einen eleganten, schnel len Plattboden, eine Hoogaars, das auch auf dem Titelbild zu sehen ist. Der Untertitel: »Eine Amrumer Ge schichte« weist allerdings darauf hin, dass da mehr ist. Amrum weckt Asso ziationen an sommerliche Badefreu den am kilometerbreiten großen Sand vor den Dünen. Willem überrascht je doch den Leser eingangs mit bunten Blumen. 36 Es ist Willem gelungen, eine interes sante, feinsinnige bis lyrische Schil derung seines Lebens auszubreiten. Unkonventionell im Aufbau mit vie len erläuternden Abbildungen, et liche davon zu den von seiner Frau Leonore aufwändig bemalten Fliesen (»Tegeltjes«). Der Text wird immer wieder durch friesische und holländi sche Begriff e ergänzt. Genau so, wie Willem spricht! Das Buch behandelt auch die große Herzenswärme zu seiner Großmut ter und Mutter – beide waren stol ze, selbstbewusste und rebellische Friesinnen. Die nordfriesischen In seln waren früher stark von Frauen dominiert. Sie ließen ihm als Kind alle Freiheiten, die sich ein heutiges Stadtkind überhaupt nicht mehr vor stellen kann. Es macht Spaß in die Huckleberry-Finn-artigen Jugend geschichten (Freyheit in den Dünen) einzutauchen. Eine der aufwändig bemalten »tegels« In einer friesischen Familie aufge wachsen, Deutsch erst in der Schu le gelernt, erfährt man etwas über den Umgang der Friesischen Jungs mit den Fremden - sjiisken - sowie über die Technik des Möweneiersu chens, Schollenfangen und Segeln mit schrottigen Booten vorm Kniep und ins Watt bis nach Föhr. Da gab es nachts keine Brandung. Der Amrumer Kniepsand 1868 eroberten die Preußen die zuvor reichsdänischen Nordfriesischen In seln und kappten die engen Bande zu Kopenhagen und Amsterdam, indem sie als Erstes die zuvor äußert erfolg reichen privaten Navigationsschulen der friesischen Dörfer abschaff ten. Bismarck wollte die Jungs für seine Kriegsmarine haben. Daraufhin setz te eine große Auswanderungswelle No. 148 - Dezember 2025 PIEKFALL Tycho Ricklefs hüs, Willems Geburtshaus, hier auf einer Postkarte aus dem vorletzten Jahrhundert abgebildet nach Brooklyn, Long Island und New Jersey ein, um hier Geld zu machen. Ihr Herz blieb aber auf den Inseln. Diese Gemeinde der verschiedenen Friesischsprachigen zählte bis zu 20.000 Mitglieder, so auch Willems Familie. Ungeachtet der abgeschiedenen Lage im Norden blieben die Menschen dort nicht von den politischen Ereignissen verschont. Die Nazis deklarierten die nordfriesischen Frauen, gemäß ihrer weltfremden Ideologie, zu rassen gerechten Germaninnen. Manche(r) glaubte und lebte das dann auch. Willems Eltern hatten letztlich unter diesen lebens- und demokratiefeind lichen Ideen zu leiden. Seine Mutter konnte sich jedoch, mit ihrem selbst bewussten Gerechtigkeitssinn, über alle grundlosen Anschuldigungen hinwegsetzen. Ein Erbe, das auch Willem maßgeblich geprägt und ge holfen hat! Immer wieder klingt seine Zunei gung zur Insel Amrum mit den auf ihr Aus Treibholz gebautes »Hukershöske« Kliff Der Friesenstern, handbemalte »tegels« lebenden Menschen an, die ihm die beschriebenen Freiheiten ermöglich ten. Aufgewachsen ist er im Nordteil, in Norddorfs dörfl icher Struktur. Da neben gab es für ihn hauptsächlich die Dünen, den vorgelagerten großen Sand, den Kniep und natürlich die al les umgebende zee. Das in seiner Jugend langsam für den Tourismus erwachende Wittdün hatte er überhaupt nicht auf der Rechnung. Das änderte sich erst, als er Jahre später dort die bildhübsche Friesin Leonore JOHANNA kennenlernte. Sie ist bis auf den heutigen Tag der wichtigste Mensch in seinem Leben. Ihr hat er das Buch gewidmet! Sie er lernte in Hamburg die Plakatmalerei und konnte später, wie man im Buch sehen kann, immer wieder ihre kre ativen Fertigkeiten bei der akribisch peniblen Fliesenbemalung unter Be weis stellen. Willem verschweigt auch nicht seine ersten zarten Bekanntschaften, mit Kliff denen er auf der Elbe segelte und ro mantischen Zeiten in seiner paradie sischen Inselwelt erlebte: illegal aus Treibholz gebaute »Hukershöskes« in den Dünen, mit fantasievollen Sternbilddeutungen und Brandungs rausch-Vergleichen zu klassischer Musik. Eine seiner weiteren großen Leiden schaften ist die Musik von Johann Sebastian Bach! Sein Vater hatte ihn bereits als 14-Jährigen an das um fangreiche Werk dieses Komponisten herangeführt. Der Leser erfährt seinen Ausbil dungsweg: nach der Norddorfer Zwergschule, Internat in Hannover, abschließend Studium in Köln und Fachwechsel zur Medizin. Nach dem Examen, Unbill in Hamburg. In Emden konnte er dann, nur dank Fürsprache, erste berufl iche Erfah rungen sammeln. Er hatte vorher bereits schon ernste Überlegungen angestellt, mit seiner Frau in die Nie derlande oder nach Dänemark auszu wandern! Ungeachtet dessen blieb er auch da mals schon seiner Verbundenheit zur See treu und segelte mit seiner Leo in den ostfriesischen Watten. In Stade fand er dann seine berufl i che Lebensstellung. In der Nähe ließ er einen alten Apfelhof nach eigenen Ideen und Vorstellungen umbauen (Mauer ohne Wasserwaage!). Natür lich stellte sich auch Nachwuchs ein – das Trio Sönke, Kaike und Gerrit. Zu guter Letzt, beschreibt er natür Aad Weg übers Watt nach Föhr a Hörn Kleiboden Knipsand wird nur bei hohen Sturm und Spring uten überschwemmt. e f e i t a Wâth (das Watt) l a Signaturen. Dünen u. Flugsand. Haide. Geest. m Marsch. Grabhügel. Steinkammern. h Fundort versch. Alterthumsgegenstände. Häuser. Kirche. Wege. Mühle. Steile Kli c ufer. In dieser Gegend sind Fundamente ehemaliger Gebäude gefunden worden. S r e Amrumer Hafen d m Antiquarische Karte der Insel Amrum (1861) r l a t a a G Dünenrand im Jahre 1800 Risum 37 m A No. 148 - Dezember 2025 PIEKFALL Die JOHANNA von AMRUM auf volle zee lich auch die andere, nach Leono re benannte, JOHANNA von AM RUM, das Schiff . Tochter Kaike war es, die 14-jährig 1995 bei einem holländischen Bootsverleih die sen traditionellen niederländischen Schiff styp aus dem Schelde-Delta entdeckte. Der Test im nordfriesi schen Revier fi el positiv aus. Da nach wurde der funktionale Stahl bau ihre JOHANNA von AMRUM. Willems Kreativität und Geschick machten daraus in aufwändiger, mehrjähriger Winterarbeit ein nicht wieder zu erkennendes Schmuck stück – Deck und Aufbauten fach kundig mit Holz »verkleidet«. Die JOHANNA wird ausführlich beschrieben, ihre Daten, ihr Konst rukteur und die Werft, ihre Technik, die Handhabung dieser »Segelma schine«, ihr Revier, die Watten, ihr Seeverhalten, bis zu den liebevollen selbsterdachten und gefertigten De tails der Innengestaltung. Der moderne Kielschiff schipper erfährt zu seinem Erstaunen, dass ein Plattboden (Schlickrutscher?!) sehr wohl seefähig ist. Der Beweis: JOHANNAs Reisen nach Bornholm und Edinburgh! Ausführlich geht Willem auf die Philosophie der holländischen Platt bodenvarer ein even eens gaan JOHANNA ist in 2024 bordeauxrot geworden Familientreff en auf JOHANNA anlässlich der Herbstregatta der Freunde des Gaff elriggs 38 proberen, Mal gucken was geht, vaart houden, niet knijpen. Abschließend klärt er nebenbei den Leser auf, warum er, entgegen dem deutschen Flaggenrecht, am liebsten die bunte nordfriesische Flagge am Heck zeigt. Das hängt meines Erach tens auch mit dem, von seiner Mutter vorgeleb ten Freigeist zusammen. Am Ende des Buches, versteht man die Anfangs gezeigten bunten Blu men. Sie stehen nicht nur für die Vielfalt des Eilan des, sondern symbolisie ren auch die vielen unter schiedlichen Ereignisse und Geschehnisse, aus denen sich Willems Leben zusam mensetzt! Eines ist klar, zwei starke Frauen haben ihn geleitet. Die Per sönlichkeit seiner Mutter in Nord dorf und im Süden seine intelligente Leonore Johanna. Sie sind seine bei den wichtigsten Lebensleuchttürme. Dazwischen viel Amrum. Die kleine Insel im Wattenmeer, zu der Willem – nach friesischem Brauch – immer wieder gern mit seiner JOHANNA von AMRUM zu seiner Johanna auf Amrum zurückkehrt! Das Buch ist rundum gelungen, be rührend und lesenswert! Heinz Valet Fotos: Archiv Ruempler, Staugaard Willem Ruempler JOHANNA von AMRUM Eine Amrumer Geschichte 304 Seiten, Format: 16 x 24 cm, 228 vierfarb-, 98 s/w Abbildungen Jens Quedens Verlag, Amrum 2025 (Bestellungen direkt über den Verlag) ISBN: 978-3-943
Ein Teil der Seite wurde gelöscht, ist als Buch erhältlich unter : buch JOHANNA VON AMRUM
Die Revierbeschreibungen sind erhalten
Stader Tageblatt vom 30.12.25 verfasst von Lena Stehr zum Buch JOHANNA VON AMRUM
Willem Ruempler, ein flotter friesischer Freigeist ist Segler, Radiologe im Ruhestand und Buchautor - Er schreibt über sich und seine großen Lieben. Jahrzehntelang war Wilhelm Ruempler Leitender Radiologe der Klinik Dr. Han cken. Ein Nordfriese mit vie len Leidenschaften und einer kriminellen Vergangenheit. Behutsam streicht Wilhelm Ruempler - genannt Willem über den zwölf Meter langen Mast, der in der großen Boots halle in Stade-Abbenfleth liegt. Das gute Stück aus glänzendem Holz gehört zu einer seiner ganz großen Lieben: dem Plattboden schiff Johanna von Amrum. Die gute Dame wird gerade für die nächste Saison flottgemacht. Flott ist ein gutes Stichwort. Auch Willem Ruempler schwimmt mit knapp 80 Jahren noch obenauf, ist munter und lebensfroh - flott eben. Erst vor etwa drei Jahren hängte er sei nen Job als Leitender Radiologe der Kernspintomografie in der Stader Klinik Dr. Hancken an den Nagel. Noch heute besuchen ihn ehemalige Patienten und bitten ihn um Rat. 1982 stellte Gerd Hancken den gebürtigen Nordfriesen ein. Ohne Vertrag, einfach per Handschlag. Trotz seiner kriminellen Vorgeschich te. Um die und vieles andere geht es in dem frisch veröffent lichten Buch von Willem Ruem pler. „Johanna von Amrum - ei ne Amrumer Geschichte“ er zählt von Ruemplers Heimatin sel, enthält viel Persönliches, skizziert seinen beruflichen Werdegang und beschreibt den Umbau der Johanna von einem Schiff aus Stahl zu einem Schmuckstück aus Holz. Verbindung in die Hausbesetzerszene Der Leser erfährt, wie der links radikale Willem Ruempler An fang der 1970er Jahre mit der Hamburger Hausbesetzerszene in der Ekhofstraße in Kontakt kommt, zu der spätere RAF Sympathisanten wie Susanne Albrecht und Karl-Heinz Dellwo gehörten. „Mit denen hatte ich nie was zu tun, im Knast bin ich aber trotzdem gelandet“, sagt Willem Ruempler. Als er Zigaretten ho Wilhelm Ruempler auf dem Meer mit seinem Segelschiff Johanna von Amrum - natürlich unter Amrumer Flagge. Foto: Ruempler len wollte - „Ernte 23, orangefar bene Packung für 2 Mark“ - stell te er sich einigen Polizisten in den Weg, die ein besetztes Hochhaus räumen wollten. Er gebnis: zwei Tage Knast und Be rufsverbot in Hamburg. aufwuchs, wie er heimlich se geln lernte und dass er bis zur Einschulung nur Friesisch hof in Stade. Beim Sanieren des ehemaligen Fachwerkhauses hat Willem Ruempler absicht lich optische Brüche in die Klin kerfassade gebaut. Geschrieben hat Willem Ruempler das Buch aber nicht nur, um seine eigene Geschichte zu erzählen. „Eigentlich ist das Buch eine Liebeserklärung an meine Mutter. Sie war eine stol ze, hübsche und rebellische Frau, die sich mit den Nazis an legte und mir alle Freiheit ließ“, sagt der Segel-Enthusiast mit dem Stoppelbart und der blauen Fischermütze. Im Buch beschreibt er das Le ben auf Amrum in der Nach kriegszeit, beleuchtet das Leben seiner Vorfahren am Watten meer und baut immer wieder friesische Wörter und Redewen dungen ein. Willem Ruempler erzählt au ßerdem, wie frei er auf Amrum Seitdem sind die beiden un zertrennlich - zumindest fast. Willem Ruempler liebt es näm lich, alleine auf dem Meer un terwegs zu sein. Er redet dann mit seinem Schiff, liest oder hört laut Musik - von Johann Sebasti an Bach bis Led Zeppelin. sprach. Wie er in selbst gebau ten Hütten aus Strandholz haus te, für seine Oma Möweneier sammelte und Schollen fing. Er berichtet auch von einer Ro manze mit einer ehemaligen Gangsterbraut, die auf Amrum strandete und die eine erfolgrei che Geschäftsfrau in Südfrank reich wurde. Nachdem ihr der Friesenjunge das Lesen und Schreiben beigebracht hatte. Die unangefochtene weibli che Hauptrolle in Willem Ruem plers Buch und in seinem Her zen spielt aber Leonore Johanna aus Wittdün. „Meine Freundin und Frau, mit der ich drei Kin der und fünf Enkel habe“, sagt Willem Ruempler und seine hel len Augen leuchten hinter der runden Brille. Gerade einmal 23 war er, als er die damals 21-Jäh rige kennenlernte - natürlich auf Amrum. Wenn er nicht aufs Meer kann, arbeitet er an seiner Jo hanna. Das 11,11 Meter lange Segelschiff bestand einst kom plett aus Stahl. Innerhalb von 20 Jahren hat Willem Ruempler es mit Holz verkleidet und ausge baut. Auch das wird detailliert im Buch beschrieben. Genau wie viele Havarien, die der See bär mit dem Lausbubenlächeln mit Johanna schon erlebt und überstanden hat. Optische Brüche in der Klinkerfassade Dass Willem Ruempler ein frie sischer Freigeist ist, der nicht nur Schiffe flottmachen kann, zeigt sich an seinem alten Apfel Für einen deutschen Maurer wohl eine Todsünde. Unvorein genommenen Menschen hinge gen könnten diese Gesetzesbrü che großen Spaß machen, meint Willem Ruempler, lacht und nippt an seinem Friesentee. Der wärmt ihn beim Arbeiten in der kalten Bootshalle. Er muss sich sputen. Bis zur nächs ten Saison muss die Johanna wieder flott sein. Damit sie mit ihm zurück nach Amrum segeln kann - zu seiner großen Liebe mitten im Wattenmeer. wDas Buch „Johanna von Am rum - Eine Amrumer Geschich te“ ist im Jens Quedens Verlag erschienen und für 29,50 Euro im Buchhandel erhältlich. Sig nierte Ausgaben können direkt beim Verlag bestellt werden.
Buch Johanna von Amrum
Buchkritik von Arved Fuchs, Polarforscher und Autor vieler Bücher
Ich hatte Dir versprochen eine Rückmeldung zu Deinem Buch zu geben. Das hat etwas länger gedauert, möchte ich hiermit tun. Du erwartest von mir sicherlich keinen Lobgesang sondern eine sachliche
Betrachtung. Als jemand der selbst schreibt, bin ich mehr an konstruktiver Kritik interessiert als an Lobhudelei. Aber es gibt nicht viel zu kritisieren.
Ich habe das Buch gerne gelesen! Es ist im Grunde geenommen eine Biografie die tiefe Einblickje in die Geschichte Amrums und natürlich Deinen eigenen Werdegang erlaubt. Biografien können
langeweilig werden - das ist hier ganz sicher nicht der Fall. Du spielst Dich nicht in den Vordergrund sondern die unterschiedlichen Erzählstränge verlaufen parallel zu Deinem Lebensweg. Es ist
auch nicht geschönt. Wichtig (besonders bei dem aktuell bundesweit wachsenden AFD Zuspruch), dass die NS Zeit Raum findet. Das Denunziantentum, das Ausblenden der Greuel, und das fehlende
Aufarbeiten der NS Zeit, bzw. das ungeschorene Davonkommen einiger Hardcore Nazis ist ja kein inselspezifisches Problem sondern ein bundesweites. In dem Zusammernhang finde ich es auch gut,
dass Du Namen nennst. In einem so begrenzten Lebensraum wie einer Insel, wo irgendwie jeder jeden kennt, scheint mit das Problem von besonderer Tragweite zu sein. Ich selbst hatte in der Schule
Lehrer die ganz eindeutig linientreue Nazis waren. Eine Ausspruch eines Lehrers ist mir besonders gut im Ohr geblieben:" Kinder müssen erst einmal gebrochen und dann wieder aufgebaut
werden" Das war mit mir und dem liberalen Elternhaus in dem ich aufgewachsen bin, zum Glück nicht zu machen. Deshalb musste ich die Schule wechseln und habe so manches Gefechtr bestehen
müssen. Hat mich geprägt.Die Liebe und Achtung zu Deiner Mutter, die Dich hat machen lassen, wird sehr deutlich.
Meine Großeltern lebten auf Sylt, mein Großvater (Alfred Koch) ist nach dem Krieg nach Westerland gezogen um dort die Inselbahn wieder aufzubauen. Der Unternehmer hieß Ruy Prahl. Ich bin daher
als Kind ständig auf Sylt gewesen und habe dort auch zeitweise die Grundschule besucht. Ich habe in der Nordsee schwimmen gelernt und liebte den Blick über das unverbaute Meer bis zum Horizont.
Damals wurde der Grundstein für meine Seefahrtskarriere gelegt. Aber ich habe mich noch nie soviel prügeln müssen wir damals, weil ich der zugereiste Festländer war, der irgendwie
nicht dorthin gehörte. Ich habe trotzdem Freunde gefunden. Ich sage das nur, um deutlich zu machen, dass ich Deine vermutlich sehr ähnlichen Erfahrung in umgekehrter Richtung mit dem Internat auf
dem Festland gut nachvollziehen kann.
Karl Kirchheiss war sicher ein super Seemann - aber leider auch den Nazis sehr verbunden.
Anrührend fand ich die Kapitel mit den ersten Liebschaften, Freundinnen - wie auch immer. Es spiegelt die unbekümmerte, freie Jugend wieder, in der man irgendwie auch Eigenverantwortung und
Respekt vor dem anderen gelernt hat. Heute werden Kinder meiner Meinung nach überbehütet, früh in Kitas untergebracht und in jeder Lebensphase im übertragenden Sinn "an die Hand genommen". Wenn
ich früher auf einen hohen Baum geklettert bin (macht heute kaum ein Kind), dann wusste ich sehr genau, dass ich aufpassen musste weil ich sonst in die Tiefe stürzen würde. Diese
Eigenverantwortung habe ich auf meinen späteren Reisen stets verinnerlicht.
Gewünscht hätte ich mir mehr über den Werdegang/Verbleib dieser frühen Liebenschaften zu erfahren. Sie verschwinden mir ein wenig zu abrupt.
Zur Johanna von Amrum: Ich bin ein alter Schiffsnarr - so wie Du auch. Daher kann ich Deine Intention gut verstehen und habe die Kapitel entsprechendfe interessiert gelesen.
Mit ein wenig Distanz betrachtet, frage ich mich jedeoch, ob diese Kapitel den nicht so schiffsafinen Leser etwas überfordert. Das sind sehr viel technische Aspekte enthalten, vielleicht
ein wenig zu viel. Die Reiseerlebniss werden die Leser glaube ich eher in den Bann ziehen.
Sprachlich gibt es eine paar Hakeleien. Ich würde das Buch vielleicht vor der neuen Auflage nochmal lektorieren lassen, vielelicht auch ein paar Kapitelübergänge angleichen.
Ansonsten ein wirklich schönes und gelungenes Buch! Dem wünsche ich den gebührenden Erfolg.
Nur zu Deiner Info: Wir werden dieses Jahr wohl wieder Richtrung Grönland segeln -bevor der Verrückte in Washington einen Riegel davor schiebt.
Herzliche Grüße auch an Deine Leonore
Arved
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